Stadtohr

Stadtrundgang Braunschweig · Station 1 von 16

Herzog Anton Ulrich-Museum

1754 · kunstmuseum, herzöge, sammlung, napoleon

Ausführlich

Willkommen in Braunschweig. Wir beginnen vor einem Museum, und das hat einen Grund: In dieser Stadt hatten Herzöge etwas zu sagen, und manche von ihnen sammelten. Sie stehen vor dem Herzog Anton Ulrich-Museum. Seinen heutigen Namen trägt es erst seit 1927, vorher hieß es Landesmuseum. Die Wurzeln liegen weiter zurück. 1754 eröffnete Herzog Karl I. auf Anregung von Daniel de Superville ein Kunst- und Naturalienkabinett. Es war eines der ersten Museen in Deutschland, das für die Öffentlichkeit zugänglich war, und es kam nur ein Jahr nach dem Britischen Museum in London. Eine Quelle nennt Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, den Gründer des Hauses, und zugleich geht die Eröffnung 1754 auf Karl I. zurück. Ich gebe beides so weiter. Dann das 19. Jahrhundert, und es war hart. 1806 besetzten napoleonische Truppen das Land und brachten große Teile der kostbarsten Kunstgegenstände in den Pariser Louvre. 1811 ließ Jérôme, der Bruder Napoleons und König von Westphalen, das Schloss Salzdahlum abreißen, dessen Bausubstanz schon länger schlecht war. Nach den Befreiungskriegen kamen die Kunstschätze zurück. Aber das Land war verarmt, und es fehlte der Platz. 1882 gab es einen Architektenwettbewerb, 1883 begann der Neubau, 1887 wurde er eröffnet. Schauen Sie die Fassade an. Oskar Sommer entwarf sie zusammen mit dem Museumsdirektor Herman Riegel, nach dem Stilvorbild der italienischen Renaissance. Beim Grundriss folgte er dem Schema der Münchner Pinakothek von Leo von Klenze. Das benachbarte Staatstheater ist ähnlich gestaltet, zu ihm kommen wir noch. Am Gebäude hat sich außen seither nichts geändert. Dunkle Zeiten kamen danach. 1937 wurden in der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ nachweislich fünfzehn Werke beschlagnahmt, unter anderem von George Grosz, August Macke und Karl Schmidt-Rottluff. Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzte die britische Militärregierung die Seitenflügel, und die Umnutzung als Verwaltungsbau griff weit in die Bausubstanz ein. Von 2008 bis 2010 entstand hinter dem Hauptgebäude im Museumpark ein Erweiterungsbau mit drei Etagen und viertausend Quadratmetern. Das Hauptgebäude wurde ab 2013 weitgehend auf den Ursprungszustand zurückgebaut. Was Sie hier sehen können: die größte Sammlung italienischer Majoliken nördlich der Alpen, über zweihundert Emailarbeiten, die Herzog-Julius-Büchse, eine teilweise vergoldete Prunkbüchse aus den Jahren 1580 bis 1585, und eine Kugellaufuhr. Die Mittelaltersammlung wird übrigens in der Burg Dankwarderode gezeigt. Dorthin kommen wir später.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Herzog Anton Ulrich-Museum. Es wurde 1754 eröffnet und gehört zu den größten und bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands. Der Name erinnert an Herzog Anton Ulrich (1633 bis 1714). Etwa viertausend Kunstwerke aus dreitausend Jahren sind hier zu sehen.

Für Kinder

Du stehst vor einem Museum, das schon sehr alt ist. Es wurde 1754 eröffnet. Schon damals durfte die Öffentlichkeit hinein, und das war etwas Neues. Die Herzöge von Braunschweig haben gesammelt: Gemälde, Skulpturen und Prunkstücke. Dann kamen Soldaten von Napoleon und nahmen viele der wertvollsten Stücke mit nach Paris, in den Louvre. Nach den Befreiungskriegen kamen die Schätze zurück. Das Museum hat heute etwa viertausend Kunstwerke. Überleg einmal: Was würdest du sammeln, wenn du ein eigenes Museum hättest?

Quellen

Koordinaten: 52.2635, 10.533 · auf der Karte

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