Sie stehen vor dem Markgräflichen Opernhaus. Nehmen Sie sich einen Moment, bevor wir losgehen, denn das Haus erzählt zwei Geschichten gleichzeitig: eine über Macht und eine über Zimmermannskunst. Zuerst die Ausgangslage. Bayreuth gehört erst seit 1810 zu Bayern. Jahrhundertelang war es Teil des Fürstentums Bayreuth, protestantisch geprägt, und ab 1735 herrschte hier das Paar Friedrich und Wilhelmine. Wilhelmine war eine Schwester Friedrichs des Großen, eine begabte Komponistin und Librettistin, und sie leitete ab 1737 rund zwanzig Jahre die Oper. Das Theater, das Markgraf Georg Wilhelm 1714 und 1715 an der heutigen Münzgasse hatte bauen lassen, genügte ihr nicht. Also wurde zwischen 1744 und 1750 dieses Haus errichtet. Joseph Saint-Pierre entwarf es, Giuseppe und Carlo Galli da Bibiena gestalteten das Innere im italienischen Spätbarock. Das Logentheater ist ganz aus Holz. Die drei Logenränge sind den drei Ständen der Gesellschaft zugeordnet. Die Fürstenloge wurde fast nie vom Markgrafenpaar genutzt; es saß in der Mitte der ersten Reihe, auf goldenen Sesseln, dicht an der Bühne. Das Deckengemälde Apollo und die neun Musen schuf Johann Benjamin Müller aus Dresden. Nun die zweite Geschichte, und sie steht über Ihnen. Wilhelmine erwartete einen gigantischen Zuschauerraum ohne störende Stützen und eine der größten Bühnen ihrer Zeit, einhundertachtzig Quadratmeter Spielfläche. Das heißt: Das Dach musste fünfundzwanzig Meter frei überspannen, und damit war es an der Grenze des Möglichen. Vermutlich war der Hofzimmermann Adolf Adam Feulner der Baumeister. Er wählte eine barocke Hängewerkskonstruktion und verwendete die längsten Stämme, die überhaupt zu bekommen waren. Manche Balken konnten nicht einmal bis zum Ende kantig behauen werden, weil sonst die Stabilität gelitten hätte. Das Holz wurde vermutlich im Winter 1746 und 1747 geschlagen, geflößt und feucht verbaut. Das Grundstück war nicht rechteckig; das Dach verspringt um bis zu vierzig Zentimeter. Feulner baute darum vier Dachstühle nach demselben Prinzip und verband sie. Zwei Aufrichtungsphasen liefen parallel aufeinander zu, damit Bibiena im Trockenen arbeiten konnte; er kam 1747, als der Dachstuhl stand. Die Beraterorganisation ICOMOS hielt dieses Dach für so wertvoll, dass sie es ausdrücklich als Teil des Welterbes einstufte. Und dann kam die Stille. Wilhelmine starb 1758, zehn Jahre nach der Einweihung. Der Spielbetrieb wurde reduziert, nach dem Tod Friedrichs 1763 vorübergehend ganz eingestellt. Historiker sehen darin den Grund, warum dieses hölzerne Haus nicht wie andere seiner Zeit abbrannte: Es wurden hier seltener Kerzen entzündet. Markgraf Karl Alexander versuchte später, das Opernhaus auf Abbruch zu verkaufen, fand aber keinen Käufer. Nach 1810 verwalteten bayerische Beamte das Haus. In einem Schreiben der Regierung von 1814 heißt es, es fehle ein schicklicher Platz zum Trocknen des Mehls für das Armeemagazin, dafür müsse man das Opernhaus vierzehn Tage gebrauchen. Weil Bayreuth zur Provinzstadt geworden war, hat der Bau die Zeit fast unverändert überdauert.
Sie stehen vor dem Markgräflichen Opernhaus. Erbaut wurde es zwischen 1744 und 1750, eingeweiht Ende September 1748. In Bayreuth heißt es nur Opernhaus; Wagners Haus nennt man Festspielhaus. Am 30. Juni 2012 erhob die UNESCO den Bau zum Weltkulturerbe.
Vor dir steht ein Opernhaus aus dem 18. Jahrhundert. Gebaut wurde es für Wilhelmine, die hier mit ihrem Mann regierte. Sie war die Schwester des Königs von Preußen und schrieb selbst Musik. Innen ist fast alles aus Holz. Es gibt drei Reihen von Logen, also kleinen Zimmern zum Zuschauen. Die reichsten Leute saßen unten ganz vorne auf goldenen Sesseln. Das Dach ist das Spannendste: Es ist fünfundzwanzig Meter breit und hat keine einzige Stütze darunter. Der Zimmermann nahm die längsten Baumstämme, die er finden konnte. Weil später kaum noch gespielt wurde, brannte das Haus nie ab. Andere Holztheater verbrannten durch Kerzen. Seit 2012 gehört es zum Welterbe.
Koordinaten: 49.944344697, 11.57866362 · auf der Karte