Sie stehen im Rosengarten hinter der Neuen Residenz. Nehmen Sie sich hier einen Moment, denn dieser Garten ist eine Pause im Rundgang und zugleich der beste Aussichtspunkt. Zuerst die Anlage. Der Garten ist durch ein zentrales Wegekreuz gegliedert; im Schnittpunkt liegt ein Brunnenbecken. Geschnittene Linden rahmen ihn ein, Buchshecken fassen die Beete, und auf diesen Beeten blühen 4500 Rosen. Das ist keine gewachsene Landschaft, sondern eine gezeichnete. Vorher gab es auf dem gleichen Gelände im 16. Jahrhundert einen Renaissancegarten. 1733 wurde er unter Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn in einen Barockgarten umgewandelt, und die Planung übertrug man Balthasar Neumann, dem Baumeister der Würzburger Residenz. Der Gartenpavillon im Stil des Rokoko stammt von Johann Jakob Michael Küchel, dem wir am Alten Rathaus schon begegnet sind. Die Skulpturen aus dem Themenkreis der antiken Mythologie entstanden 1760 und 1761 und stammen von Ferdinand Tietz. Nun schauen Sie hinaus. Nach Osten gewährt der Garten einen Blick über die Stadtlandschaft und zu den Jurahöhen. Vom Rosengarten aus sieht man außerdem die Michaelskirche und die Dächer der Bürgerstadt, also genau die Trennung, von der dieser Rundgang lebt: hier oben der Hof, dort unten die Bürger, dazwischen der Fluss. Zum Michelsberg mit der Michaelskirche gehen wir als Nächstes. Und nun die Geschichte, die an einer Mauer dieses Gartens hängt. In einem Blendbogen der Mauer befindet sich ein Erinnerungsmal für Otto von Griechenland und seine Gemahlin Amalie; die Inschrift ist in griechischer und in deutscher Sprache gehalten. Otto, ein Wittelsbacher, war von 1832 bis 1862 der erste König von Griechenland. Danach lebten er und Amalie bis zu ihrem Tod in der Residenz, an deren Rückseite Sie hier stehen. Und sie hielten eine Gewohnheit bei: Jeden Abend zwischen sechs und acht gab es eine Griechischstunde, in der sich das Paar ausschließlich auf Griechisch unterhielt, als Erinnerung an ihre Zeit in Griechenland. Passend dazu war der Hofstaat in griechische Trachten gekleidet. Stellen Sie sich das vor: ein abgesetzter König in einem fränkischen Barockgarten, der jeden Abend zwei Stunden lang die Sprache seines verlorenen Landes spricht, und ein Hof, der sich dafür umzieht. Das Erinnerungsmal in der Mauer ist von diesen Abenden das Einzige, was man noch sehen kann.
Sie stehen im Rosengarten hinter der Neuen Residenz. Der Barockgarten entstand 1733 aus einem Renaissancegarten des 16. Jahrhunderts, geplant von Balthasar Neumann. Auf den von Buchshecken eingefassten Beeten blühen 4500 Rosen. Nach Osten geht der Blick über die Stadt bis zu den Jurahöhen.
Du stehst in einem Garten mit 4500 Rosenstöcken. Die Wege kreuzen sich in der Mitte, dort steht ein Brunnen, und rundherum sind Linden und kleine grüne Hecken. Alles ist streng nach Plan angelegt, so wie man es vor fast dreihundert Jahren schön fand. In dem Haus daneben wohnte ein Mann, der einmal König von Griechenland war. Jeden Abend von sechs bis acht sprach er mit seiner Frau nur Griechisch, damit er es nicht vergisst. Sogar die Bediensteten zogen dafür griechische Kleidung an. Schau nach Osten: Da siehst du über die ganze Stadt.
Koordinaten: 49.8919, 10.8817 · auf der Karte