Stadtohr

Stadtrundgang Altenburg · Station 6 von 16

Rote Spitzen

1165 · wahrzeichen, romanik, backstein, augustiner

Ausführlich

Sie stehen vor den Roten Spitzen, dem Wahrzeichen Altenburgs. Ein Doppelturm, der einst zur Marienkirche der Augustiner-Chorherren gehörte. Das Stift Unserer Lieben Frauen auf dem Berge vor Altenburg wurde 1165 gegründet, die Gründung wird Barbarossa zugeschrieben. Die Kirche wurde von 1165 bis 1172 im romanischen Stil aus Backsteinen gebaut. Geweiht worden sein soll sie 1172 in Anwesenheit Barbarossas. Die Urkunden dazu haben sich allerdings als Fälschung erwiesen. Schauen Sie auf das Hauptportal. Es ist rundbogig, in drei Stufen abgetreppt, mit zwei eingelegten Säulen. Es ist der dürftige Rest der alten Klosterkirche und wird in das späte 12. Jahrhundert datiert. Der Wechsel vom Sandstein zum roten Backstein ist typisch für die Stauferzeit und sollte die Verbindung zur karolingischen Tradition und zur Pfalzkapelle in Aachen zeigen. An den Säulenschäften sind Ritzspuren zu sehen. Sie hängen mit dem symbolischen Schärfen von Waffen zusammen, denn von dieser Berührung versprach man sich magische Kraft. Und die Qualität des Backsteinbaus lässt den Schluss zu, dass italienische Handwerker hier gearbeitet haben. Das Stift hatte unter den Reformatoren einen schlechten Ruf und wurde 1543 aufgelöst. Schon wenige Jahrzehnte später war das Kirchenschiff verfallen, nur das Westturmwerk blieb intakt. 1618 erhielt der Nordturm seine barocke Haube. Die Stadt übernahm die Gebäude und richtete 1665 eine Schule ein. 1669 bis 1671 kam ein Witwen- und Waisenhaus hinzu. Zwanzig Jahre nach der Schule wurden die Türme zum Gefängnis, und das blieben sie 200 Jahre. 1810 wurde das Bauwerk nach einem Brand wieder aufgebaut, später diente es als Zucht- und Arbeitshaus. Von 1871 bis 1873 ließ der Baumeister Friedrich Sprenger die Türme umfassend instand setzen. Zu DDR-Zeiten war bis 1972 ein Museum für mittelalterliche Handwerkskunst in den Türmen. Im Südturm hat sich ein kostbares Stück Romanik erhalten. In der Apsis an der Ostmauer, wohl einer Kapelle, sind Malereien aus dem mittleren 12. bis frühen 13. Jahrhundert zu sehen: eine Marienkrönung in einer Mandorla. Unter Experten gilt dieses Ensemble als einzigartig. 1935 fand der Ausgräber Hans Höckner im Südturm viele Skelette. Weil er seine Funde nicht dokumentierte, wird heute erneut gegraben. Ein erstes Ergebnis: Der Fußboden des Südturms liegt mehr als drei Meter über dem heutigen Straßenniveau der Torgasse. Seit 2006 sind die Roten Spitzen als national bedeutsames Kulturdenkmal anerkannt, und seit Juni 2013 zeigt eine Dauerausstellung das Bauwerk.

Kurzfassung

Sie stehen vor den Roten Spitzen, dem Wahrzeichen Altenburgs. Der Doppelturm gehörte zur Marienkirche der Augustiner-Chorherren, die 1165 gegründet wurde. Die romanische Kirche aus Backsteinen entstand von 1165 bis 1172. Vom Kirchenschiff blieb nichts erhalten, die Türme aber stehen noch.

Für Kinder

Du stehst vor zwei hohen Türmen. Sie heißen Rote Spitzen und sind das Wahrzeichen von Altenburg. Früher gehörten sie zu einer großen Kirche. Von der Kirche ist nichts mehr da, nur die Türme sind geblieben. Danach war in den Türmen eine Schule, und später ein Gefängnis, 200 Jahre lang. Schau dir die Steine an: Sie sind aus Backstein gebaut, vor mehr als 800 Jahren. In einem der Türme sind noch uralte Malereien erhalten, sie zeigen die Krönung Marias. Was meinst du, wie gut Farbe so lange hält?

Quellen

Koordinaten: 50.9847, 12.4378 · auf der Karte

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