Stadtohr

Stadtrundgang Altenburg · Station 1 von 16

Lindenau-Museum

1876 · kunstmuseum, sammlung, kunstschule, 19. jahrhundert

Ausführlich

Willkommen in Altenburg. Sie sind in einer ehemaligen Residenzstadt im Osten Thüringens, mit etwa 31.100 Einwohnern. Bekannt ist sie durch ein Kartenspiel: Skat wurde nach 1810 hier erfunden. Davon hören Sie später mehr. Wir beginnen bei der Kunst, am Lindenau-Museum, am Fuß des Schlossbergs. Das Haus trägt den Namen seines Sammlers. Bernhard August von Lindenau war Staatsmann, Gelehrter und Kunstsammler. Er trug 400 antike griechische Vasen zusammen und eine Kunstbibliothek, die der Erforschung der Stücke diente und es bis heute tut. Schon 1848 machte er seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich, auf seinem Anwesen, dem Pohlhof, in einem eigens errichteten Ausstellungsgebäude. Zum Pohlhof kommen wir später. Seine Nachfahren ließen dieses Gebäude 1876 abreißen, nach dem Umzug in den Bau, vor dem Sie stehen. Er wurde von Julius Robert Enger errichtet, einem Schüler Gottfried Sempers, oder von Hans Enger. Schauen Sie ihn an: Er steht am Hang. Der Kern der Sammlung sind frühe italienische Tafelbilder, 180 Werke von Meistern aus Siena, Florenz und Umbrien, vom 13. bis ins 16. Jahrhundert. Keine andere Spezialsammlung dieser Art außerhalb Italiens ist größer. Dazu kommen etwa 300 Gipsabgüsse nach Meisterwerken der Antike. Die Graphische Sammlung umfasst etwa 50.000 Blatt. Ihr Schwerpunkt ist das Werk von Gerhard Altenbourg. 2009 kaufte das Museum mehr als hundert seiner Arbeiten und besitzt damit die größte Altenbourg-Sammlung der Welt. Das Haus hat auch dunkle Kapitel. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden die Wandbilder von Ernst Müller-Gräfe im Treppenvestibül überklebt. 1937 wurden 43 Werke als sogenannte entartete Kunst aus der Sammlung entfernt und zu großen Teilen vernichtet, darunter Arbeiten von Lovis Corinth, Lyonel Feininger und Max Pechstein. 1968 und 1969 verkaufte das Museum über den Staatlichen Kunsthandel der DDR 196 Künstlerkopien. Nur sechs blieben im Haus. Damit wurde gegen Lindenaus Testament verstoßen. 2014 kamen zwei dieser Kopien zurück, darunter die Kopie der Sixtinischen Madonna, die Lindenau 1847 vom Dresdner Maler Louis Castelli hatte anfertigen lassen. Noch eine Besonderheit: Lindenau rief zugleich eine Kunstschule ins Leben. Sie wird seit 1971 als Studio Bildende Kunst fortgeführt. Die enge Verbindung von Kunstschule und Museum ist in Deutschland einzigartig. Seit Januar 2020 wird das Gebäude saniert, es ist geschlossen. Sonderausstellungen finden im Prinzenpalais des Schlosses statt. Ein erster Entwurf sah vor, die neubarocke Treppenanlage von 1910 zu zerstören. Dagegen gab es 2022 heftige Kritik, das Verfahren wurde neu aufgesetzt. Am 10. Februar 2023 empfahl ein Gremium aus 14 Fachleuten den Entwurf eines Berliner Büros. Die Wiedereröffnung ist für 2029 geplant.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Lindenau-Museum am Fuß des Schlossbergs. Es zeigt die Sammlungen des Staatsmanns und Kunstsammlers Bernhard August von Lindenau. Das Gebäude wurde 1876 errichtet. Berühmt sind 180 frühe italienische Tafelbilder, die größte Spezialsammlung dieser Art außerhalb Italiens.

Für Kinder

Du stehst vor einem Kunstmuseum. Die Bilder hat ein Mann gesammelt: Bernhard August von Lindenau. Er sammelte alte Gemälde aus Italien, 180 Stück, und dazu 400 Vasen aus dem alten Griechenland. Keine andere Sammlung solcher Bilder außerhalb Italiens ist größer. Schon 1848 durften alle Leute seine Sammlung ansehen. Und er gründete eine Kunstschule, die es heute noch gibt. Im Moment ist das Haus zu, es wird saniert. Was würdest du sammeln, wenn du ein ganzes Museum füllen dürftest?

Quellen

Koordinaten: 50.9919, 12.4449 · auf der Karte

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