Stadtohr

Stadtrundgang Altenburg · Station 10 von 16

Klostergasse

2011 · denkmalschutz, stadtentwicklung, abriss, 21. jahrhundert

Ausführlich

Sie stehen an der Klostergasse. Sie mündet in die südöstliche Ecke des Marktplatzes und gehört zur denkmalgeschützten Gesamtanlage Kernstadt Altenburg mit Vorstädten. Diese Station zeigt Ihnen etwas, das fehlt. Im Oktober 2011 wurde hier die gesamte Westseite mit den Häusern Nummer 1 bis 5 abgerissen. Das machte die Gasse deutschlandweit bekannt. Die Bebauung stammte überwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Die Häuser 1 und 3 waren schlichte, drei- bis viergeschossige Massivbauten, deren Fassaden in den 1960er Jahren neu verputzt worden waren. Sie enthielten noch ältere Bauteile. Das Haus Nummer 5, um 1870 gebaut, war ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus im spätklassizistischen Stil der Gründerzeit und bildete die westliche Begrenzung des Marktplatzes. Seine Straßenecke war als Achteck-Segment ausgebildet, mit Kolossalpilastern und Fensterbedachungen. Am 25. September 2009 legte die Städtische Wohnungsgesellschaft dem Stadtrat ein Neubaukonzept vor. Sie hatte im Lauf der Jahre den ganzen Häuserblock zwischen der Klostergasse, der Straße Bei der Brüderkirche und dem Topfmarkt erworben. Geplant waren ein Supermarkt, ein Café, zwei Parkdecks und 37 Wohnungen, Kosten: fünf Millionen Euro. Dafür sollten alle Gebäude weichen, auch das Haus Bei der Brüderkirche 9 von 1753, ein Einzeldenkmal. Dagegen gab es heftige Proteste, im Stadtrat, bei den Bürgern und in der Presse. Der Landeskonservator forderte, die Häuser Klostergasse 5 und Bei der Brüderkirche 9 zu erhalten. Im November 2010 sprach sich auch eine Expertengruppe des Bundesbauministeriums einmütig für den Erhalt aus. Als Kompromiss versprach die Stadt, die Barockfassade von Bei der Brüderkirche 9 zu bewahren. Im März 2011 beschloss der Stadtrat mit 22 zu 15 Stimmen den Bebauungsplan. Aus Protest trat der Vorsitzende des Denkmalbeirates am 25. Mai 2011 zurück. Im Oktober 2011 wurden alle Häuser entlang der Klostergasse und des Topfmarktes abgebrochen. Am 13. März 2012 verschwand auch die zunächst abgestützte Barockfassade, aus angeblich statischen Gründen. Im Juli 2012 begann der Neubau, nach archäologischen Untersuchungen. Im Februar 2014 wurde er bezogen.

Kurzfassung

Sie stehen an der Klostergasse, die in die südöstliche Ecke des Marktplatzes mündet. Im Oktober 2011 wurde hier die gesamte Westseite mit den Häusern 1 bis 5 abgerissen. Das machte die Gasse deutschlandweit bekannt. Heute steht an dieser Stelle ein Neubau, bezogen im Februar 2014.

Für Kinder

Du stehst in einer kleinen Gasse, die zum Marktplatz führt. Hier standen früher Häuser aus dem 19. Jahrhundert. Die Stadt wollte sie abreißen und etwas Neues bauen: einen Supermarkt, ein Café und Wohnungen. Viele Leute fanden das falsch und protestierten, auch Fachleute für Denkmalschutz. Trotzdem wurden die Häuser im Oktober 2011 abgerissen. Das war so bekannt, dass in ganz Deutschland darüber gesprochen wurde. Was meinst du: Soll man alte Häuser erhalten, auch wenn sie nicht mehr schön sind?

Quellen

Koordinaten: 50.9849582, 12.43159018 · auf der Karte

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