Willkommen in Zwickau. Sie stehen im Zentrum der Stadt vor der evangelisch-lutherischen Kirche St. Marien. Zwickau liegt in der Talaue der Zwickauer Mulde und hat heute über 87.000 Einwohner. Es ist die viertgrößte Stadt in Sachsen. Ein Gebiet namens territorium Zcwickaw wurde 1118 erstmals erwähnt. Nahezu achthundert Jahre lang wurde hier Steinkohle abgebaut. Merken Sie sich dieses Wort, wir kommen gleich darauf zurück. Zuerst der Bau. Die Kirche entstand im späten 12. Jahrhundert als romanische Saalkirche. Zwischen 1453 und 1563 wurde sie zur dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche umgebaut, unter anderem unter Leitung des Steinmetzen Peter Heierliß. Schauen Sie hinauf zum Turm. Er ist 87 Meter hoch, ein barocker Glockenturm von 1672. Er ersetzte den ursprünglichen Turmaufsatz, den ein Blitzschlag beschädigt hatte. Die Turmhaube entwarf Joachim Marquardt, ein Zimmermeister aus Plauen. Ein baugleicher Turm seiner Werkstatt steht in Riga. Nun zur Steinkohle. Durch den Bergbau im Zwickauer Revier senkte sich die Marienkirche um mehr als dreieinhalb Meter in Richtung Hauptmarkt. Die Gruben und Stollen wurden entwässert, die Gesteinsschichten unter Zwickau sanken ab. Das gesamte Stadtzentrum sank unter den Wasserstand der Zwickauer Mulde. Heute kehrt sich das um. Die alten Schächte werden geflutet, und die Kirche hebt sich wieder, unter ständiger Zug- und Druckkraft aus dem Untergrund. Mächtige Zuganker zwischen den Pfeilern im Inneren sichern den Bau, ein Laserlot überwacht seine Lage. Dazu kommt der Stein selbst. Der Sandstein aus der Gegend um Cainsdorf, Planitz und Bockwa ist von kohligen Resten durchsetzt, stellenweise porös und von der Luftverschmutzung angegriffen. Im Herbst 2016 begann eine Fundamentsanierung. Die alte Gründung wird durch Stahlbeton ersetzt. Währenddessen stützen zwei große Holzstützen die Außenmauern. Zur Geschichte: 1520 und 1521 predigte hier Thomas Müntzer, und die Kirche wurde infolge der Reformation evangelisch. Den Titel Dom verlieh am 2. Juni 1935 der Reichsbischof Ludwig Müller, bei der 800-Jahr-Feier der Stadt. Bischofssitz war Zwickau nie. Der Titel blieb in der Nachkriegszeit umstritten und wurde dennoch beibehalten, so der Wille der Bevölkerung. Am 19. März 1945 explodierte im südlichen Domhof eine Luftmine und beschädigte die Südseite schwer. Wikidata nennt für den Bau 1175, der Wikipedia-Quelle um 1180. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.
Sie stehen vor St. Marien, der wichtigsten Stadtkirche Zwickaus. Sie entstand im späten 12. Jahrhundert als romanische Saalkirche und wurde im 15. und 16. Jahrhundert zur spätgotischen Hallenkirche umgebaut. Der Turm ist 87 Meter hoch. Seit 1935 heißt sie Dom, obwohl Zwickau nie Bischofssitz war.
Du stehst vor einer sehr alten Kirche mit einem hohen Turm. Er ist 87 Meter hoch. Weißt du, was unter Zwickau liegt? Steinkohle. Sie wurde in Gruben und Stollen abgebaut. Dabei sank der Boden ab, und die Kirche sank mit, um mehr als dreieinhalb Meter. Heute werden die alten Schächte mit Wasser gefüllt, und die Kirche hebt sich wieder ein Stück. Damit sie nicht auseinanderbricht, halten starke Zuganker sie im Inneren zusammen. Ein Laserlot misst, wie sie steht. Wie fühlt es sich wohl an, wenn der Boden unter einem so großen Haus nachgibt?
Koordinaten: 50.7179, 12.4952 · auf der Karte