Willkommen in Tübingen. Sie stehen vor dem Evangelischen Stift, und damit am Anfang dieses Rundgangs. Ein Wort zur Stadt, bevor wir anfangen. Tübingen liegt am Neckar, rund dreißig Kilometer südlich von Stuttgart, im mittleren Neckartal zwischen Nordschwarzwald und Schwäbischer Alb. Es hat 92.607 Einwohner, gezählt am 31. Dezember 2025, und 26.300 Studierende im Sommersemester 2026. Das zieht den Altersdurchschnitt auf rund vierzig Jahre und macht Tübingen zu einer der jüngsten Städte Deutschlands. Die Eberhard Karls Universität wurde 1477 gegründet. Merken Sie sich diese Zahl. Sie kommt auf diesem Weg mehrfach zurück. Nun zum Haus. Das Evangelische Stift ist ein Studienhaus der evangelischen Landeskirche in Württemberg. Aufgenommen wird, wer eine Ordination für ein Pfarramt in Württemberg anstrebt oder das kirchliche Lehramt für den Religionsunterricht an Gymnasien in Baden-Württemberg. Die Leistung heißt Naturalstipendium, und das Wort ist wörtlich zu nehmen: freies Wohnen, freie Verpflegung und wissenschaftliche Begleitung, für neun Semester, dreieinhalb Monate je Semester. Kein Geld, sondern ein Dach, ein Essen und ein Lehrer. Gegründet wurde das Stift 1536 von Herzog Ulrich, im mittelalterlichen Gebäude des aufgehobenen Augustinerklosters. Der Zweck stand fest: Nach der Reformation sollte die theologische Ausbildung begabter Kinder zu evangelischen Pfarrern gesichert werden, auf dem Boden der Theologie Martin Luthers. Es ging um eine geistliche und geistige Elite, in Verbindung mit der Universität. Großen Wert legte man auf philosophische, sprachliche und kirchenmusikalische Ausbildung. Was dabei herauskam, steht auf einer Liste. Im 16. Jahrhundert: der Astronom Michael Mästlin, der Astronom Johannes Kepler, der Universalgelehrte Wilhelm Schickhardt. Im 18. Jahrhundert, innerhalb von fünf Geburtsjahren: Friedrich Hölderlin, geboren 1770, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, geboren 1770, Friedrich Schelling, geboren 1775. Dazu die Dichter Karl Philipp Conz, Christian Ludwig Neuffer und Rudolf Magenau. Das Haus verwaltet sich zu einem guten Teil selbst. Die Vollversammlung aller Stiftsstudierenden heißt Forum und tagt wöchentlich. Sie wählt für je ein Semester zwei Stiftsälteste, im Hausjargon X und Y. Beide sitzen stimmberechtigt im Stiftsrat und im Kuratorium. Sieben weitere Vertreter übernehmen die sogenannten Ressorts: die Dienste im Haus, den Kontakt zur Fachschaft, die drei Stiftsfeste je Semester, den autonomen Semesterbericht. Dazu kommen Ehrenämter für Sportgeräte, die schöngeistige Bibliothek und die Stocherkähne. Die Stocherkähne begegnen Ihnen am Ende dieses Rundgangs wieder, unten am Neckar. Schauen Sie jetzt den Hang hinauf. Dort liegt unser nächstes Ziel.
Sie stehen vor dem Evangelischen Stift, einem Studienhaus der evangelischen Landeskirche in Württemberg. Herzog Ulrich gründete es 1536 im Gebäude des aufgehobenen Augustinerklosters. Auf der Liste seiner Studierenden stehen Kepler, Hegel, Hölderlin und Schelling.
Das Haus vor dir ist ein Wohnhaus für Studenten, aber kein normales. Es heißt Stift. Wer hier wohnen darf, zahlt keine Miete und bekommt das Essen umsonst. Dafür lernt er viele Jahre lang und will später Pfarrer oder Religionslehrer werden. Gegründet hat das Stift ein Herzog namens Ulrich, im Jahr 1536. Hier hat Johannes Kepler gelernt. Er hat herausgefunden, wie sich die Planeten bewegen. Auch der Dichter Friedrich Hölderlin war hier, dem wir am Ende noch begegnen. Die Studenten bestimmen vieles selbst. Jedes Semester wählen sie zwei Vertreter, die einfach X und Y heißen. Andere kümmern sich um die langen Boote auf dem Neckar. Welche Aufgabe würdest du nehmen?
Koordinaten: 48.519444444, 9.053333333 · auf der Karte