Stadtohr

Stadtrundgang Speyer · Station 13 von 16

Judenhof Speyer

um 1100 · judentum, schum, mikwe, welterbe

Ausführlich

Sie stehen im Judenhof Speyer, dem zentralen Bezirk des mittelalterlichen jüdischen Viertels. Im 11. Jahrhundert siedelte sich in Speyer auf Veranlassung des Bischofs Rüdiger Huzmann eine der ersten jüdischen Gemeinden im Heiligen Römischen Reich an. Speyer gilt neben den anderen SchUM-Städten Worms und Mainz als eine der Geburtsstätten der aschkenasischen Kultur. Schauen Sie auf die aufragenden Reste der Synagoge in der Mitte. Sie wurde 1104 eingeweiht. Von dem Saalbau sind die Umfassungsmauern teilweise erhalten, damit ist sie die am besten erhaltene Synagoge des frühen 12. Jahrhunderts in Europa. Eine Brandspur wird mit dem Pogrom von 1196 verbunden, um 1200 wird ein Wiederaufbau vermutet. Zwei Rundbogenfenster aus dieser Zeit blieben bis 1899 verbaut, dann stellte man sie im Historischen Museum der Pfalz aus. Um 1250 wurde südlich die Frauenschul angebaut. Das Vorbild stand in Worms, wo 40 Jahre zuvor erstmals eine eigene Synagoge für Frauen errichtet worden war. In die Südwand wurden sechs Hörschlitze eingefügt, damit die Frauen im Nachbarraum den Gottesdienst mithören konnten. Östlich der Synagogenmauern liegt die Mikwe, um 1110 bis 1120 erbaut. Sie ist rund elf Meter tief. Man gelangt über ein romanisches Portal in einen Vorraum mit steinerner Bank, mit zierlichen Säulen und einem Zwillingsfenster. Eine Quelle sagt: Ohne Mikwe konnte keine Gemeinde bestehen, sie war wichtiger als die Synagoge. Die Speyerer Mikwe wurde zum Vorbild für das später in Worms errichtete Ritualbad. An die Synagoge schlossen sich der Synagogenhof und die Jeschiwa an, ein Lehrhaus aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Nach 1534 wurde die jüdische Gemeinde vertrieben, das Gelände nicht mehr genutzt und verfiel. Der große Stadtbrand 1689 zerstörte die Jeschiwa. Die neue Synagoge an der Maximilianstraße, 1837 erbaut, wurde in den Novemberpogromen 1938 zerstört. Der Judenhof wurde 1998 und 1999 archäologisch erschlossen und umgestaltet. Zu ihm gehört auch das Museum SchPIRA. Am 27. Juli 2021 zeichnete die UNESCO den Speyerer Judenhof als Teil der SchUM-Stätten aus, als 50. Welterbestätte in Deutschland.

Kurzfassung

Sie stehen im Judenhof, dem zentralen Bezirk des mittelalterlichen jüdischen Viertels von Speyer. Zu ihm gehören die Synagoge von 1104, die Frauenschul und die in Mitteleuropa älteste erhaltene Mikwe. Seit 2021 zählt er zum UNESCO-Welterbe.

Für Kinder

Hier lebten schon im Mittelalter jüdische Menschen in Speyer. Du siehst die Reste ihrer Synagoge, so nennt man das Gotteshaus. Sie wurde 1104 eingeweiht. Gleich daneben liegt die Mikwe, ein Tauchbad, rund elf Meter tief. Man steigt über Treppen hinab zum Wasser. Und die Frauen hatten ihren eigenen Raum nebenan, mit sechs Schlitzen in der Wand, durch die sie den Gottesdienst hören konnten. Warum, glaubst du, hat man das so gebaut?

Quellen

Koordinaten: 49.3161, 8.43972 · auf der Karte

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