Stadtohr

Stadtrundgang Solingen · Station 5 von 16

Haus Tückmantel

1892 · historismus, denkmal, wiederaufbau, luftangriff

Ausführlich

Sie stehen vor dem Haus Tückmantel, Am Neumarkt 1. Es ist ein vierstöckiges, turmbekröntes Eckhaus des Historismus von 1892, und es ist eines der wenigen Gebäude hier, die die Bombenangriffe vom November 1944 überstanden haben. Die Geschichte beginnt 1883. Der Gewerbetreibende Julius Tückmantel, geboren 1824, kaufte am 1. November von Gustav Weyersberg ein altes, zweistöckiges Fachwerkhaus mit dem Namen Im Platz. Er vermietete es, bis er neu bauen konnte. 1891 war es so weit, im April ließ er das alte Haus niederlegen. Im April 1892 zog er in den Neubau ein, mit eigener Wohnung und seinem Schreibwarengeschäft Zur goldenen Feder. Seit 1894 arbeiteten die Söhne Paul und Richard im Geschäft mit. Julius starb 1898, und seit 1907 gehörte das Geschäft Paul allein. Nun zum Krieg. Die Bombenangriffe vom 4. und 5. November 1944 zerstörten die Solinger Altstadt fast vollständig. Am Dreieck standen nur noch einige Häuser, mit Löchern in Dächern und Wänden und zerbrochenen Fensterscheiben. Im Tückmantelhaus lag sogar eine Bombe, die nicht explodiert war. Zur Beseitigung der Ruinen verwendete man vielfach Sprengstoff. Beim Nachbarhaus Idelberger hätte man eine gleichzeitige Sprengung des Hauses Tückmantel in Kauf genommen, denn es war Straßenumbauplänen wiederholt im Weg gewesen. Paul Tückmantels Witwe konnte das verhindern. So blieb das Haus stehen, zusammen mit dem Nachbarhaus Quabeck. Der Wiederaufbau ließ trotzdem auf sich warten. Die Stadt hatte verboten, die eigenen Häuser instand zu setzen, bevor nicht geklärt war, ob die Innenstadt nicht an einem anderen Ort neu entstehen sollte. Erst 1948 entschied man sich für den Aufbau an alter Stelle. 1950 zog das Schreibwarengeschäft wieder ein. Am 22. November 1993 kam das Haus in die Denkmalliste. 2002, kurz nach dem 150-jährigen Firmenjubiläum, ging das Unternehmen in Konkurs. Der Solinger Industrielle Siegfried Lapawa übernahm das Haus und sagte zu, es samt dem kriegszerstörten Türmchen wieder in den Vorkriegszustand zu versetzen. Er investierte rund 6,5 Millionen Euro, bis zum Sommer 2011 war alles fertig. 2012 erhielt das Haus den Solinger Denkmalschutzpreis. Schauen Sie hinauf zum Türmchen. Es gehörte zu dem, was Lapawa wiederherstellen wollte.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus Tückmantel, Am Neumarkt 1. Das vierstöckige, turmbekrönte Eckhaus des Historismus stammt von 1892. Es gehört zu den wenigen Gebäuden hier, die die schweren Bombenangriffe im November 1944 überstanden haben. Seit 1993 steht es unter Denkmalschutz.

Für Kinder

Das Haus mit dem Türmchen oben ist 1892 gebaut worden, für einen Mann namens Julius Tückmantel. Unten im Haus hatte er ein Schreibwarengeschäft, es hieß Zur goldenen Feder. Im November 1944 fielen Bomben auf die Stadt, und fast alle Häuser rundum wurden zerstört. In diesem Haus lag sogar eine Bombe, die nicht explodiert war. Das Haus blieb stehen. Warum, glaubst du, nennt man ein Schreibwarengeschäft wohl Zur goldenen Feder? Was schreibt man mit einer Feder?

Quellen

Koordinaten: 51.170380555, 7.082673611 · auf der Karte

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