Stadtohr

Stadtrundgang Schweinfurt · Station 3 von 16

Heilig-Geist-Kirche (Schweinfurt)

1897–1902 · katholische kirche, neuromanik, industrialisierung, portale

Ausführlich

Sie stehen vor der Heilig-Geist-Kirche, der katholischen Pfarrkirche. Sie ist ein Neubau, sieht aber aus wie ein Bau des Mittelalters. Die Vorgeschichte beginnt früher. Vor 1338 wurde hier ein Spital zum Heiligen Geist gegründet. Später kam daneben das nach ihm benannte äußere Spitaltor dazu. Die Spitalkirche wurde im Zweiten Markgrafenkrieg 1554, dem Zweiten Stadtverderben, bis auf den Chor zerstört und Ende des 16. Jahrhunderts im gotischen Stil wieder aufgebaut. Die Reichsstadt war seit der Reformation lutherisch. Eine katholische Gemeinde konnte sich erst in napoleonischer Zeit wieder etablieren. 1803 wies ihr die königlich bayerische Regierung die Spitalkirche als Pfarrkirche zu. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde stark, weil mit der Industrialisierung Arbeiter aus dem überwiegend katholischen Umland zuzogen. 1896 wurde die Spitalkirche abgerissen. Die Arbeiten am Neubau begannen 1897. Vom Glockenturm waren zu diesem Zeitpunkt nur vier Geschosse vorhanden. Erst 1911 stockte Jakob Angermair ihn um drei Geschosse bis zur heutigen Höhe von 56 Metern auf. Schauen Sie auf die Fassade. Die Kirche ist der Nachbau einer romanischen Kathedrale, eine dreischiffige Basilika auf Kreuzgrundriss, reich gegliedert mit Bogenfenstern, Bogenfriesen, Blendsäulen und Pilastern. Bei romanischen Kirchen ist der Westriegel mit dem Haupteingang charakteristisch. Hier wurde er aus städtebaulichen Gründen nach Südosten zur Schultesstraße ausgerichtet. Die Kirche ist damit um über 90 Grad aus der üblichen Ausrichtung gedreht. Die Tympana der drei Portale stammen von Georg Wrba. Das Hauptportal zeigt über der Statue König Davids das Pfingstereignis, das südliche Nebenportal über der Statue des Jesaja die Verkündigung, das Nordportal über der Statue des Zacharias die Taufe Jesu. Der Turm mit Zeltdach trägt eine Marienstatue. Einzelne Elemente erinnern an den rund 50 Jahre älteren Westriegel des Speyerer Doms und an den Dom von Trient. Die Kirche überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt. Im Turm hängt ein fünfstimmiges Geläut aus Bronze, 1912 gegossen.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Heilig-Geist-Kirche, der katholischen Pfarrkirche. Die neuromanische Basilika wurde von 1897 bis 1902 nach Plänen von Anton Leipold erbaut. Sie ist der erste katholische Kirchenneubau Schweinfurts seit der Reformation und überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt.

Für Kinder

Du stehst vor einer großen Kirche aus Stein. Ihr Turm ist 56 Meter hoch, und oben steht eine Marienstatue. Die Kirche sieht sehr alt aus, aber sie ist ein Nachbau einer romanischen Kathedrale. Gebaut wurde sie von 1897 bis 1902. Vorher stand hier eine kleinere Spitalkirche. Schweinfurt war lange lutherisch. Dann zogen Arbeiter aus der Umgebung in die Stadt, und es gab wieder viele Katholiken. Siehst du die drei Portale? Über ihnen sind Szenen aus der Bibel zu sehen.

Quellen

Koordinaten: 50.0426, 10.2298 · auf der Karte

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