Stadtohr

Stadtrundgang Schweinfurt · Station 12 von 16

Fichtelsvilla

1915 · villa, industriellenfamilie, zerstörung 1945, schanze

Ausführlich

Sie stehen im Fichtelsgarten, zwischen der Altstadt und der Neutorvorstadt. Hier stand die Fichtelsvilla, die große Villa einer Industriellenfamilie. Sie hatte die Adresse Kornmarkt 19 und lag auf der Westlichen Obertorschanze, einem Teil der nördlichen Stadtbefestigung. Die Schanzenanlage stammte aus dem 17. Jahrhundert. Die Villa mit ihrem Park musste hineingefügt werden. Hedwig Fichtel-Graetz ließ die mondäne Villa bauen. Geplant hat sie Carl Sattler, wie die benachbarte Sattlervilla, 1915 wurde sie fertig. Sattler plante auch Schloss Elmau und hatte an der Technischen Hochschule Dresden bei Paul Wallot studiert, dem Erbauer des Reichstagsgebäudes. Man errichtete die Villa an der höchsten Stelle, einer Bastion. So ergab sich ein schlossähnlicher Grundriss mit einem zweigeschossigen Mittelgebäude und zwei schräg gestellten, eingeschossigen Flügelbauten. Die Villa hatte englischen Einfluss, während die hohen Mansarddächer sich am fränkischen Barock orientierten. Die Auffahrt führte über den einstigen Geschützstand im Südosten der Bastion. Unten gab es eine zweite Vorfahrt und einen herrschaftlichen Garten mit Springbrunnen und Grotte. Von dort führte eine geschwungene, zweiarmige Freitreppe zur oberen Vorfahrt und zum Haupteingang. Über eine Diele betrat man den Festsaal, einen mit Gobelins geschmückten Musiksaal. Ihm war eine Terrasse mit Freitreppe vorgelagert. Die Fichtelsvilla besaß den ersten Personenaufzug im Raum Schweinfurt. Am 10. April 1945, dem vorletzten Kriegstag in Schweinfurt, wurden Villa und Park beim Einmarsch der Amerikaner fast völlig zerstört. Es heißt, es werde vermutet, dass die Amerikaner annahmen, der Feind hätte sich hier versteckt. Nur Vorfahrt und Treppenaufgang blieben erhalten. Und noch ein Gedanke zum Ort. 1964 entwarf Ludwig Mies van der Rohe im Fichtelsgarten einen Museums-Pavillon. Er wurde nie gebaut.

Kurzfassung

Sie stehen im Fichtelsgarten. Hier stand die Fichtelsvilla. Hedwig Fichtel-Graetz ließ sie bauen, Carl Sattler plante sie, 1915 war sie fertig. Am 10. April 1945 wurden Villa und Park beim Einmarsch der Amerikaner fast völlig zerstört. Erhalten blieben nur Vorfahrt und Treppenaufgang.

Für Kinder

Hier stand einmal eine Villa, die aussah wie ein kleines Schloss. Eine Industriellenfamilie ließ sie bauen, und 1915 wurde sie fertig. Sie hatte hohe Dächer, einen Garten mit Springbrunnen und Grotte und den ersten Personenaufzug in der Gegend. Am 10. April 1945 wurde sie beim Einmarsch der Amerikaner fast ganz zerstört. Nur die Auffahrt und die Treppe blieben. Wo bist du schon einmal mit einem Aufzug gefahren?

Quellen

Koordinaten: 50.04824, 10.23052 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.