Stadtohr

Stadtrundgang Saarbrücken · Station 1 von 16

Ludwigskirche

1775 · barock, kirche, stengel, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen auf dem Ludwigsplatz vor der Ludwigskirche. Willkommen in Saarbrücken, und nehmen Sie sich einen Moment, bevor wir losgehen. Schauen Sie zuerst die Dachkante entlang. Dort stehen achtundzwanzig Statuen. Vierzehn von ihnen sind Kopien, ausgetauscht zwischen 1906 und 1911. Aber fangen wir vorne an. Am 21. Oktober 1761 ordnete Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken den Bau einer lutherischen Kirche in seiner Residenzstadt an. Er tat das als oberster Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche seines Territoriums. Der Grund war praktisch: Die gotische Schlosskirche, bis dahin Pfarrkirche, Hofkapelle und Begräbniskirche, war zu klein geworden. Wir kommen am Ende des Weges an ihr vorbei. Die Pläne lieferte Friedrich Joachim Stengel. Die Kirche sollte inmitten eines neu zu errichtenden Platzes liegen, als Gesamtkunstwerk im Sinne einer barocken place royale, für große Repräsentationszwecke und als neue Grablege. Grundsteinlegung war am 4. Juni 1762, fertig sein sollte alles 1765. Nun eine Sache, die zeigt, wie hier gerechnet wurde. Für die Orgel lagen zwei Kostenvoranschläge vor, einer von der Manufaktur der Gebrüder Stumm aus Sulzbach im Hunsrück, einer von Johann Andreas Silbermann aus Straßburg. Silbermann lag fünfundzwanzig Prozent höher. Die Gebrüder Stumm bekamen den Zuschlag. Als Wilhelm Heinrich 1768 starb, war nur das Äußere weitgehend vollendet, der Turm stand noch im Bau. Unter seinem Sohn Ludwig zog sich alles hin. 1772 war der Stuck fertig, 1773 verfügte Ludwig die Fertigstellung und ließ eine Gruft unter dem Westarm anlegen, 1774 kamen Kanzel und Gestühl, 1775 der Altar. Eingeweiht wurde am 25. August 1775, mit einer eigens zu diesem Anlass komponierten Kantate. Dann die Französische Revolution. Das Landeswappen, der Namenszug und das Brustbild des Fürsten wurden von der Kirche entfernt. Drei Turmglocken gingen nach Metz. Diebe holten die Bleiauskleidungen und die Fallrohre, und das Wasser tat den Rest: Verputz und weiße Außenfarbe waren verloren. Noch ein Detail, das heute niemand mehr sieht. Im Inneren standen sechsundzwanzig Geschlechterstühle, mietbare Kirchenlogen. Zwischen 1885 und 1887 wurden sie beseitigt und die Fenster, die sie erhellt hatten, vermauert, gegen die Zugluft. In der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 1944 traf ein britischer Bombenangriff die Stadt. Von der Ludwigskirche blieben die Umfassungsmauern. Der Wiederaufbau begann 1947 unter dem Architekten Rudolf Krüger, den Dachstuhl montierte man aus vorhandenen Stahlrohren. Und dann wurde gestritten: Krüger hielt eine barocke Fürstenkirche für nicht mehr zeitgemäß und wollte innen einen modernen Raum. Abgeschlossen ist der Wiederaufbau bis heute nicht. Zur Jahresangabe: Wikidata nennt 1775. Das ist das Jahr der Einweihung. Gebaut wurde ab 1762.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Ludwigsplatz vor der Ludwigskirche. Der barocke Bau entstand ab 1762 nach Plänen von Friedrich Joachim Stengel, im Auftrag von Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken. Eingeweiht wurde er 1775 und nach dem Vollender Fürst Ludwig benannt. Er gilt als bedeutender evangelischer Barockbau.

Für Kinder

Du stehst vor der Ludwigskirche. Ein Fürst hat sie bauen lassen, er hieß Wilhelm Heinrich. Er wollte die Kirche mitten auf einen neuen Platz setzen, damit man sie von allen Seiten gut sieht. Der Baumeister hieß Friedrich Joachim Stengel. Angefangen haben sie 1762. Fertig war die Kirche erst 1775, da war der Fürst schon sieben Jahre tot. Sein Sohn Ludwig hat weitergebaut, und deshalb heißt sie heute Ludwigskirche. Schau mal nach oben, auf die Kante vom Dach. Da stehen Figuren aus Stein, achtundzwanzig Stück. Kannst du sie zählen? Im Krieg fielen Bomben auf die Stadt. Von der Kirche blieben nur die Außenmauern stehen, alles andere war weg. Danach haben die Leute sie wieder aufgebaut. Ganz fertig sind sie damit bis heute nicht.

Quellen

Koordinaten: 49.232778, 6.986389 · auf der Karte

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