Stadtohr

Stadtrundgang Ravensburg · Station 16 von 16

Evangelische Stadtkirche Ravensburg

· kirche, reformation, karmeliter, glasfenster

Ausführlich

Sie stehen vor der Evangelischen Stadtkirche am Marienplatz. Mit ihr endet unser Rundgang. Sie wurde Mitte des 14. Jahrhunderts als Klosterkirche der Karmeliter erbaut und 1349 geweiht. Um 1400 war eine turmlose, dreischiffige Säulenbasilika mit hohem Rechteckchor entstanden. Als Bettelordenskirche bekam sie keine Gewölbe, sondern nur flache Holzbalkendecken. Das Mauerwerk besteht hauptsächlich aus Bruchsteinen, behauene Werksteine wurden nur sparsam verwendet, nicht zuletzt wegen des Mangels an geeignetem Material in der Umgebung. Wohlhabende Ravensburger Geschlechter stifteten fünf Kapellen. Die Möttelin-Kapelle entstand 1448, die St.-Anna-Kapelle 1508. Die Gesellschaftskapelle wurde 1452 als Allerheiligen-Kapelle gebaut und 1461 zur Kapelle der Ravensburger Handelsgesellschaft umgebaut. Die Faber-Kapelle von 1404 und die Humpis-Kapelle von 1483 wurden 1844 abgetragen, als hier der Stadtkirchenturm errichtet wurde. Namen wie Möttelin und Humpis sind uns auf dem Weg schon begegnet. An den Wänden hängen Epitaphien aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, die meisten gehören zu Ravensburger Patriziern und Kaufleuten. Dann die Reformation, die Ravensburg ab 1544 erreichte. Um das Jahr 1554 wurde die Kirche auf beide Konfessionen aufgeteilt: Das Langhaus wurde zur Kirche der Protestanten, der Chorraum blieb Kirche der katholischen Karmeliter. Diese Trennung blieb bis Anfang des 19. Jahrhunderts erhalten, nur im Dreißigjährigen Krieg war das Gebäude kurze Zeit ganz katholisch. Das passt zu einer Stadt mit paritätischer Ratsverfassung, in der es ein katholisches und ein protestantisches Ratsgremium gab. Als das Kloster 1810 aufgelöst wurde, ging das Gebäude ganz an die evangelische Gemeinde. Das angrenzende ehemalige Karmeliterkloster beherbergt heute das Landgericht Ravensburg. 1859 bis 1862 erhielt die Kirche neugotische Scheingewölbe und eine neue Ausstattung, und der Glasmaler Ludwig Mittermaier schuf die sieben Reformatorenfenster. 1965 bis 1966 entfernte man die neugotische Ausstattung wieder und stellte den Zustand der Klosterzeit weitgehend her. Dabei wurden Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert freigelegt. Die Reformatorenfenster blieben. Die acht Chorfenster und das große Westfenster gestaltete Hans Gottfried von Stockhausen neu. Von 2016 bis 2020 wurde die Kirche umfassend saniert.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Evangelischen Stadtkirche am Marienplatz. Sie wurde Mitte des 14. Jahrhunderts als Klosterkirche der Karmeliter erbaut und 1349 geweiht. Um das Jahr 1554 wurde das Gebäude auf beide Konfessionen aufgeteilt. Seit 1810 gehört es ganz der evangelischen Gemeinde.

Für Kinder

Diese Kirche hat eine besondere Geschichte. Sie war einmal die Kirche von Mönchen, den Karmelitern. Dann kam die Reformation. Ab etwa 1554 teilten sich zwei Gruppen das Gebäude. Die Protestanten feierten im Langhaus, die katholischen Karmeliter im Chor. Das ging, mit einer kurzen Unterbrechung, mehr als zweihundert Jahre so. Erst 1810, als das Kloster aufgelöst wurde, bekam die evangelische Gemeinde die ganze Kirche. Wie würde es dir gefallen, ein Haus mit jemandem zu teilen, der etwas anderes glaubt?

Quellen

Koordinaten: 47.780365, 9.613321 · auf der Karte

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