Stadtohr

Stadtrundgang Ravensburg · Station 14 von 16

Altshauser Hof

· barock, deutscher orden, bagnato, stadthaus

Ausführlich

Sie stehen vor dem Altshauser Hof in der Eisenbahnstraße 35, im Westen der Altstadt. Er war die Residenz der Deutschordenskommende Altshausen in der Freien Reichsstadt Ravensburg und gehört zu den wenigen Neubauten, die in der Reichsstadt zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und der Mediatisierung 1802 entstanden. Wie die Klöster Weingarten, Weißenau und Baindt hatte auch die Kommende Altshausen viele Jahrhunderte lang eine Niederlassung in der Stadt. 1404 erwarb sie ein Haus in der Nähe des Karmeliterklosters. Später kaufte sie ein neues Stadthaus an der westlichen Stadtmauer, den Altshauser Hof. Vermutlich war dafür ausschlaggebend, dass dort noch Platz für einen ausgedehnten Kornstadel war. Er entstand auf der gegenüberliegenden Seite der Eisenbahnstraße. Im Haus konnten die Deutschordensritter verweilen, wenn sie in der Reichsstadt zu tun hatten. Von hier aus wurde der Verkauf der Naturaleinnahmen des Ordens, besonders des Getreides, auf dem Markt organisiert und der Besitz in der Stadt verwaltet. Zwischen 1729 und 1731 ließ die Kommende das Haus neu errichten, nach Plänen von Johann Caspar Bagnato, einem Baumeister des Barock und Baudirektor der Deutschordensballei. In Ravensburg stammen von ihm außerdem die Bauhütte von 1729, das Veitsburgschlösschen von 1752 und die Fassade des Hauses Marktstraße 20. Schauen Sie auf die Fassade zur Eisenbahnstraße. Sie ist 17 Meter lang, ein dreiachsiger Mittelrisalit tritt hervor und endet in einem flachen Dreiecksgiebel. Über dem Portal sitzt das Wappen des Bauherrn, des Deutschordenskomturs Franz Ignaz Anton Freiherr von Reinach, der von 1730 bis zu seinem Tod 1735 Landkomtur des Ordens in Altshausen war. Das Wappen ist von Kanonenrohren und -kugeln, Lanzen, Fahnen und Trommelschlegeln umgeben. Sie verweisen auf den Türkenkrieg von 1714 bis 1718. Der junge Reinach hatte unter Prinz Eugen 1717 an der Eroberung Belgrads teilgenommen. Nach der Aufhebung des Deutschen Ordens 1809 diente der Hof von 1825 bis 1851 als Postamt der Familie Thurn und Taxis. Später gehörte er dem Industriellen Otto Deffner, der gegenüber im ehemaligen Getreidestadel eine Baumwollweberei und -stickerei eröffnete, die 1860 schon über 100 Arbeiter zählte. 1884 gründete der Rechtsanwalt Georg Dreher im Haus eine Kanzlei, die noch heute in Familienbesitz ist und bis Ende Juni 2018 hier ansässig war. Eine Renovierung 1966 beseitigte die Veränderungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, seitdem sieht das Barockgebäude wieder annähernd so aus wie ursprünglich.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Altshauser Hof in der Eisenbahnstraße 35. Die Deutschordenskommende Altshausen ließ das barocke Stadthaus zwischen 1729 und 1731 nach Plänen von Johann Caspar Bagnato bauen. Später war es Postamt, dann Anwaltskanzlei. Über dem Portal sitzt das Wappen des Bauherrn.

Für Kinder

Dieses Haus gehörte einem Ritterorden, dem Deutschen Orden. Die Ritter wohnten hier, wenn sie in der Stadt zu tun hatten, und verkauften auf dem Markt ihr Getreide. Über dem Eingang hängt ein Wappen mit Kanonenrohren, Lanzen, Fahnen und Trommelschlegeln. Der Bauherr war als junger Mann im Krieg und nahm 1717 an der Eroberung von Belgrad teil. Später war in dem Haus die Post. Findest du die Kanonen auf dem Wappen?

Quellen

Koordinaten: 47.783166, 9.609945 · auf der Karte

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