Stadtohr

Stadtrundgang Plauen · Station 1 von 16

Friedensbrücke

1903 · bruecke, ingenieurbau, stickerei

Ausführlich

Willkommen in Plauen, und willkommen zu diesem Rundgang. Plauen ist die größte Stadt des sächsischen Vogtlandes und die Kreisstadt des Vogtlandkreises. Wir beginnen an der Friedensbrücke, die auch Syratalviadukt heißt. Sie führt die Bundesstraße 92 mit vier Fahrstreifen und Gehwegen auf beiden Seiten über das Tal des Syrabaches. Die Brücke ist 133 Meter lang, 18 Meter breit und 18 Meter hoch. Ihr Hauptbogen aus Bruchstein spannt 90 Meter weit und gehört zu den größten steinernen Brückenbögen weltweit. Schauen Sie vom Gehweg hinunter ins Tal. Dieser eine Bogen trägt die ganze Straße darüber. Wie kam es dazu? Schon in den 1870er Jahren diskutierten die Stadtplaner eine Brücke über das tief eingeschnittene Tal. 1886 stellte Stadtbaurat Georg Osthoff ein erstes Projekt mit Halbkreisgewölben auf massiven Pfeilern vor. Es wurde verworfen, weil es die Straßenführung verändert und aufwändige Fundamente verlangt hätte. 1894 kam die Brücke in den Bebauungsplan. Die Stadt wuchs damals rasant, denn die Stickerei- und Spitzenindustrie stand in Blüte, und der Bau wurde immer dringender. 1901 folgte eine Ausschreibung, 23 Entwürfe gingen ein. Die Eisenkonstruktionen waren die billigsten, hätten aber hohe Unterhaltskosten verursacht. Die Firma Liebold schlug am 2. April 1902 eine massive Bruchsteinbrücke vor, zuerst mit drei Bögen. Der Ingenieur Caesar Liebold überarbeitete sie mit der Stadtbauverwaltung unter Stadtbaurat Georg Fleck. Heraus kam, so die Quelle, eine Weltneuheit: ein einziger, korbförmig gewölbter Hauptbogen. An den Auflagern ist er vier Meter dick, im Scheitel anderthalb. Am 26. März 1903 begannen die Arbeiten. Beim südlichen Widerlager stießen die Arbeiter auf einen alten Bergwerksstollen, wahrscheinlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Sechzig Meter davon wurden freigelegt und ausgemauert, das kostete zusätzlich 13.000 Mark. Nach dem Entfernen des Lehrgerüsts senkte sich der Scheitel bis August 1905 um 16,4 Zentimeter, bis zum Jahresende um weitere 5,2, danach nur noch etwa zwei Millimeter im Jahr. Die Quelle nennt als Ursache das Kriechen und Schwinden des Zementmörtels. Der Stadtrat wollte die Brücke auf den Namen des Königs Friedrich August III. taufen. Im August 1905 kam der König zur Weihe, Schüler, Vereine und die Bürgerfeuerwehr standen Spalier. Der Stadtbaurat sagte in seiner Rede, die Brücke sei aus heimischem Stein, in wenig mehr als zwei Jahren und ohne Unfall gebaut worden, für rund 400.000 Mark. Wie aus dem Namen des Königs der Name Friedensbrücke wurde, sagt meine Quelle nicht. Wikidata nennt das Jahr 1903, das ist das Jahr des Baubeginns. Geweiht wurde die Brücke 1905. Zwei Wahrzeichen der Stadt sehen wir noch: das Alte Rathaus und die Johanniskirche.

Kurzfassung

Sie stehen an der Friedensbrücke, auch Syratalviadukt genannt. Sie überspannt das Tal des Syrabaches mit einem einzigen Bogen aus Bruchstein, 90 Meter weit. Das ist einer der größten steinernen Brückenbögen weltweit. Der Bau begann 1903, geweiht wurde die Brücke 1905.

Für Kinder

Du stehst an einer riesigen Brücke aus Stein. Sie heißt Friedensbrücke. Unter ihr liegt das tiefe Tal eines Baches, des Syrabaches. Die Brücke hat nur einen einzigen Bogen, und der ist 90 Meter weit. Die ganze Brücke ist 133 Meter lang und 18 Meter hoch. Beim Bauen fanden die Arbeiter einen alten Stollen aus einem Bergwerk. Den haben sie ausgemauert, damit der Boden unter der Brücke gleichmäßig trägt. Was glaubst du, wie lange sie für so eine Brücke gebraucht haben? Es waren wenig mehr als zwei Jahre.

Quellen

Koordinaten: 50.4989, 12.1265 · auf der Karte

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