Stadtohr

Stadtrundgang Pirna · Station 4 von 16

Peter-Ulrich-Haus

· bürgerhaus, renaissance, theater, denkmalpflege

Ausführlich

Sie stehen vor dem Peter-Ulrich-Haus, Am Markt 3. Schauen Sie auf das Portal. Es ist ein Kielbogenportal, eines der frühesten erhaltenen Sitznischenportale in Sachsen. Als man 1810 das Straßenniveau anhob, setzte man auch das Portal höher. Das Haus trägt den Namen seines Bauherrn. Peter Ulrich wurde vermutlich um 1440 in Heilbronn geboren. 1478 taucht er in Sachsen auf, als herzoglicher Werkmeister in Festanstellung auf Lebenszeit. 1502 wurde er nach Pirna berufen, um als Kirchenbaumeister die Marienkirche neu zu bauen. Da er mit einer langfristigen Verpflichtung in Pirna rechnete, kaufte er am 12. Juni 1503 für einhundert meißnische Gulden ein wohl baufälliges Haus am Markt, in einer Zeile von Kaufmannshäusern. Vorbesitzer war Paul Nack aus einer einflussreichen Tuchmacherfamilie. Bei Ausgrabungen 2010 fand man im östlichen Hausteil zwei Öfen aus seiner Zeit, in denen Tuche gewalkt und gefärbt wurden. Die Keller lassen auf eine erste Bebauung im 13. Jahrhundert schließen. Der Baubeginn verzögerte sich, Ulrich wohnte so lange zur Miete. 1505 ließ er das alte Haus fast komplett abreißen, nur die südliche Außenwand blieb stehen. Der Pirnaer Rat verlangte einen Neubau aus Stein. 1506 war das Haus fertig, drei Meter länger in Richtung Markt, mit einem repräsentativen Eingang. Bis auf die später eingebauten Ladeneingänge und die veränderte Dachform ist die Fassade noch original. Ulrich leitete den Bau der Marienkirche bis zu seinem Tod im Spätherbst 1513 oder im Frühjahr 1514. Er war verheiratet, hatte aber keine Kinder, deshalb konnte sein Haus nicht vererbt werden. Beim Stadtbrand im Juli 1547 wurde es erheblich beschädigt, 1550 setzte der Kaufmann Oswald Schein es wieder instand und baute den heutigen Dachstuhl. Ab 1572 betrieb Caspar Milich hier die älteste bekannte Apotheke am Pirnaer Markt. Zu DDR-Zeiten gab es hinter den Schaufenstern einen Lebensmittel- und Gemüseladen. Nach der Wende stand das Haus lange leer. 2009 kaufte die Ilse-Bähnert-Stiftung des Schauspielers und Kabarettisten Tom Pauls das Haus. Die Sanierung kostete 3,3 Millionen Euro, davon kamen 2,4 Millionen aus Städtebaufördermitteln. Am 11. November 2011 weihte Tom Pauls das nach ihm benannte Theater ein. 2013 erhielten die beteiligten Handwerker und der Bauherr den Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Peter-Ulrich-Haus, Am Markt 3. Das ehemalige Wohnhaus aus dem frühen 16. Jahrhundert steht unter Denkmalschutz. Gebaut hat es der Werkmeister Peter Ulrich. Seit 2011 befindet sich hier das Tom-Pauls-Theater.

Für Kinder

Dieses Haus ließ ein Baumeister bauen, der Peter Ulrich hieß. 1506 war es fertig. Er leitete auch den Bau der Marienkirche. Später war hier eine Apotheke, eine Garküche und zu DDR-Zeiten ein Gemüseladen. Heute ist hier ein Theater, der Große Saal hat 180 Plätze. Bei Ausgrabungen fand man alte Ofenkacheln mit einem glänzenden Überzug aus goldfarbenem und silberfarbenem Glimmer. Was glaubst du, woher solche Kacheln kamen? Sie wurden in Böhmen hergestellt. Das zeigt: Pirna handelte rege mit Böhmen.

Quellen

Koordinaten: 50.96266, 13.942761 · auf der Karte

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