Stadtohr

Stadtrundgang Passau · Station 11 von 16

Scharfrichterhaus

1977 · kabarett, theater, kleinkunst, gegenkultur

Ausführlich

Sie stehen vor dem Scharfrichterhaus in der Milchgasse, einem Kleinkunsttheater, das als Bühne für politisches Kabarett bundesweit bekannt wurde. Der Autor Klaus Reichold nannte es eine der namhaftesten Talentschmieden des deutschen Kabaretts. Der Name hat eine Legende. Hier soll einst der Scharfrichter von Passau gewohnt haben. Ab 1611 stellte der Passauer Scharfrichter Kaspar Neidhart kleine Zettel her, die unverwundbar machen sollten. Vor allem Soldaten im Dreißigjährigen Krieg glaubten daran. In die Geschichte ging das als Passauer Kunst ein. Davor, vom 13. bis zum 15. Jahrhundert, befand sich in dem Gebäude das gefürchtete Gefängnis, das Prislig genannt wurde. Das ursprüngliche Haus fiel dem Stadtbrand von 1662 zum Opfer. Das heutige Gebäude kann daher nur noch symbolisch als Scharfrichterhaus gelten. Die zweite Geschichte spielt in den 1970er-Jahren. Damals stand Passau unter dem starken Einfluss der CSU, des Bistums und der Passauer Neuen Presse. Als Gegenkultur formierte sich das politische Kabarett, an dessen Spitze Bruno Jonas und Siegfried Zimmerschied standen. Im März 1977 eröffneten Walter Landshuter und Edgar Liegl das Scharfrichterhaus, mit der Bühne im Kellergewölbe. Die Aufführung der Himmelskonferenz von Jonas und Zimmerschied sorgte für einen Eklat und machte das Haus über Nacht bekannt. Der Chefredakteur der Zeitung verhängte eine Nachrichtensperre über die Veranstaltungen, der Generalvikar des Bistums erstattete Anzeige wegen Gotteslästerung, und die Stadt erließ Aufführungsverbote. Auch Ottfried Fischer trat hier in seinen Anfängen auf. Die Neue Zürcher Zeitung nannte das Haus die Wiedergeburt des politischen Kabaretts in Bayern und darüber hinaus. Heute sind die Differenzen mit der Stadt beigelegt. 1979 feierten die Passauer Kabaretttage Premiere. Seit 1983 wird dabei der Kabarettpreis ScharfrichterBeil verliehen, der schon vielen Kabarettisten, etwa dem jungen Hape Kerkeling, als Sprungbrett diente. Seit 1987 gibt es im Haus das Scharfrichterkino mit 74 Sitzplätzen, dessen Leinwand an den oberen Ecken abgeschnitten ist. Im Juni 2013 traf das Hochwasser das Haus schwer, einige Monate lang mussten die Wände austrocknen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Scharfrichterhaus in der Milchgasse, einem Kleinkunsttheater, das als Bühne für politisches Kabarett bundesweit bekannt wurde. Im März 1977 eröffneten es Walter Landshuter und Edgar Liegl. Der Name geht auf eine Legende zurück, wonach hier der Scharfrichter wohnte.

Für Kinder

In diesem Haus ist ein Theater für Kabarett. Auf der kleinen Bühne treten Künstler auf, die politische Stücke spielen. Der Name Scharfrichterhaus kommt von einer Legende: Hier soll der Scharfrichter von Passau gewohnt haben. Er stellte kleine Zettel her, die unverwundbar machen sollten. 1977 wurde im Keller die Bühne eröffnet. Als dort ein Stück aufgeführt wurde, gab es einen Riesenstreit mit der Zeitung, dem Bistum und der Stadt. Heute gibt es im Haus auch ein Kino mit 74 Plätzen. Würdest du auf so einen Zettel vertrauen?

Quellen

Koordinaten: 48.574698533, 13.469312698 · auf der Karte

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