Stadtohr

Stadtrundgang Passau · Station 8 von 16

Benediktinerinnenkloster Niedernburg, Passau

8. Jahrhundert · kloster, gisela, reichsstift, legende

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kloster Niedernburg, einem Frauenstift mitten in der Altstadt, im 8. Jahrhundert gegründet. Wann genau, ist nicht eindeutig. Eine Quelle nennt 772, unter Herzog Tassilo III., nach einer Notiz der Klosterfrauen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Vielfach wird auch auf 739 verwiesen, das Jahr der Bistumsorganisation. Und die Grabungsberichte datieren die erste Kirche auf um 700. Sicher ist: Es war eine Gründung der bairischen Herzöge, der Agilolfinger. Das Kloster war reich. Es verfügte über große Ländereien nördlich der Donau im Bayerischen Wald und regulierte damit den Salzhandel nach Böhmen. Von 788 bis 1160 war es ein Reichsstift, unmittelbar dem König unterstellt. Mitte des 11. Jahrhunderts wurde hier Gisela von Bayern bestattet, Schwester Kaiser Heinrichs II. und Witwe des ungarischen Königs Stephan des Heiligen. Ihr Grab wurde im 15. Jahrhundert Ziel zahlreicher ungarischer Pilger. 1161 schenkte Kaiser Friedrich Barbarossa das Kloster dem Passauer Fürstbischof Konrad dem Ersten von Babenberg. Damit verlor es die Reichsunmittelbarkeit. Sein Nachfolger Wolfger von Erla erhielt 1191 auch Königssteuer und Vogteirechte, so dass Niedernburg zum Eigenkloster der Bischöfe wurde. Der weite Grundbesitz bildete den wirtschaftlichen Grundstock für das Hochstift Passau. Schauen Sie auf die Kirche Zum Heiligen Kreuz, eine romanische Pfeilerbasilika. Eine Quelle datiert sie einmal ins 11., einmal ins 12. Jahrhundert, die Vorhalle ist noch älter. Im südlichen Querhaus steht ein Monument der seligen Gisela. Im Mittelgang der Kirche liegt das Grab des Gregorius. Der Legende nach starb ein alter armenischer Erzbischof dieses Namens am 23. September 1093 zur Mittagsstunde, während einer Sonnenfinsternis. Das Grab wurde 1978 bei Ausgrabungen gefunden. Für das überlieferte Datum ist eine Sonnenfinsternis gegen 11 Uhr nachgewiesen. Zwei Bleiplatten im Grab erzählen sein Leben und nennen ihn einen Armenier. Seine Gebeine wurden 1982 nach armenischem Ritus wieder bestattet. Die Stadtbrände von 1662 und 1680 zerstörten das Kloster, es wurde schnell wieder aufgebaut. 1806 wurde es im Zuge der Säkularisation aufgelöst. 1836 siedelte Bischof Karl Joseph von Riccabona Englische Fräulein hier an, die das Gisela-Gymnasium, die Gisela-Realschule und ein Schülerinnenheim einrichteten. Im Juli 2017 verließen sie das Kloster, weil sie zu wenige und zu alt waren. Über die Zukunft der Gebäude wird verhandelt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Kloster Niedernburg, einem im 8. Jahrhundert gegründeten Frauenstift. In der Klosterkirche wurde Gisela bestattet, Schwester von Kaiser Heinrich II. und Witwe des ungarischen Königs Stephan. Bis 2017 lebten hier Englische Fräulein, seither wird über die Zukunft verhandelt.

Für Kinder

Dieses Kloster wurde im 8. Jahrhundert gegründet, es ist also über tausend Jahre alt. Hier lebten Klosterfrauen. In der Kirche wurde Gisela bestattet, die Schwester eines Kaisers und Witwe eines Königs von Ungarn. Noch eine Besonderheit: das Grab von Gregorius, einem armenischen Erzbischof. Der Legende nach starb er 1093 am Mittag, während einer Sonnenfinsternis. Und tatsächlich ist für diesen Tag um etwa elf Uhr eine Sonnenfinsternis nachgewiesen. Sein Grab wurde 1978 gefunden. Hast du schon einmal eine Sonnenfinsternis gesehen?

Quellen

Koordinaten: 48.5742, 13.4719 · auf der Karte

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