Stadtohr

Stadtrundgang Offenbach am Main · Station 16 von 16

Haus der Stadtgeschichte (Offenbach am Main)

2004 · stadtmuseum, archiv, lithografie, schausammlung

Ausführlich

Sie stehen vor dem Haus der Stadtgeschichte. Es ist aus dem Zusammenschluss von Stadtmuseum und Stadtarchiv hervorgegangen und zeigt 10.000 Jahre Geschichte der Stadt Offenbach von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Das 1969 begründete Stadtmuseum saß vorher in der Villa Jäger; seit Januar 2004 ist das Haus im Bernardbau, dem 1896 fertiggestellten Komplex der ehemaligen Tabakfabrik. Das Ausstellungsdesign entwarf die Hochschule für Gestaltung Offenbach und gilt als eines der modernsten der Region. Alte Fabrik, neue Gestaltung, beides aus dieser Stadt. Die Schausammlung geht chronologisch vor: Vor- und Frühgeschichte, die Entwicklung vom Dorf zur Stadt, die Industrialisierung, die Gegenwart. Gezeigt werden die frühesten Funde auf dem Gebiet des späteren Offenbacher Territoriums, steinzeitliche Artefakte, bronze- und eisenzeitliche Funde. Zu den ältesten Stücken zählt das Wagengrab aus Offenbach-Rumpenheim: die Rekonstruktion zeigt die Bestattung eines frühkeltischen Fürsten auf einem vierrädrigen Zeremonialwagen. Drei Objekte kommen Ihnen bekannt vor, wenn Sie heute mitgegangen sind. Zwei Stadtmodelle aus der Zeit um 1800 und um 1850 veranschaulichen mit Plänen und großflächigen Stadtansichten die städtebauliche Entwicklung. Suchen Sie darauf die Häuser, vor denen wir standen. In der oberen Etage steht das d'Orvillesche Puppenhaus aus dem Jahr 1757, das einen großbürgerlichen Haushalt der Rokokozeit zeigt; der Name d'Orville ist Ihnen am Büsing-Palais, im Park und am Bernardbau begegnet. Und ausgestellt sind die Privilegien der Offenbacher Hugenotten von 1705, also genau jene vierundzwanzig Quelle, von denen an der Französisch-Reformierten Kirche die Rede war. Dazu kommt die Wirtschaftsgeschichte: im 18. Jahrhundert wurden mehrere Fayence-Manufakturen eingerichtet, aus deren Produktion repräsentative Stücke ausgestellt sind, und lokale Zeugnisse der modernen Industrieentwicklung zeigen Eisenkunstguss, Lederindustrie und Tabakverarbeitung. Drei Namen für drei Stationen dieses Tages. Und dann steht hier der Nachbau einer historischen Stangenpresse, mit dem eine Tatsache gewürdigt wird: in Offenbach wurde ab 1800 erstmals die Lithografie als Druckverfahren kommerziell angewandt. Der Steindruck. Damit sind wir dort, wo wir vor einigen Stunden angefangen haben, beim Klingspor Museum und seinen Lettern. Diese Stadt hat die Schrift nicht nur gesammelt, sie hat sie hergestellt und verkauft. Im rückwärtigen Flügel des Bernardbaus liegt auf 400 Quadratmetern die Abteilung Kunst der Moderne mit der Grafischen Sammlung; das zentrale Grafikmagazin beherbergt etwa 7500 Grafiken und als Dauerleihgabe die Kunstsammlung der Internationalen Senefelderstiftung. Vom Nachlass des Offenbacher Künstlers Erich Martin haben 300 Werke als Dauerleihgabe hier ihren Platz gefunden. Ein Dokument zum Schluss, denn es gehört zu der Stadt, durch die Sie heute gegangen sind. Unter den multimedial vorgestellten Zeugnissen findet sich die in Offenbach gedruckte Flugschrift Der Hessische Landbote von Georg Büchner aus dem Jahr 1834. Gedruckt wurde sie hier, nicht in der großen Nachbarstadt. Offenbach hat in seiner Geschichte oft das aufgenommen, was woanders nicht erlaubt war: Glaubensflüchtlinge, Manufakturen, eine Messe, eine Schrift. Das Archiv dieses Hauses pflegt den historischen Akten- und Dokumentbestand der Stadt und hält ihn für stadt- und familiengeschichtliche Anfragen bereit. Bibliothek, Foto- und Zeitungssammlungen bilden, wie es die Quelle nennt, das historische Gedächtnis der Stadt. Damit endet der Rundgang. Sie haben heute vier Museen gesehen, drei Kirchen, zwei Parks, ein Schloss, ein Palais, eine Fabrik, ein Betonhaus und einen Mann aus Bronze, der sich nach einem festgefrorenen Stein bückt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus der Stadtgeschichte, hervorgegangen aus dem Zusammenschluss von Stadtmuseum und Stadtarchiv. Es zeigt 10.000 Jahre Geschichte Offenbachs von der Steinzeit bis zur Gegenwart und residiert seit Januar 2004 im Bernardbau. Das Ausstellungsdesign entwarf die Hochschule für Gestaltung.

Für Kinder

Du stehst vor dem Haus der Stadtgeschichte, in der alten Tabakfabrik. Hier wird 10.000 Jahre Geschichte von Offenbach erzählt, von der Steinzeit bis heute. Schau nach dem Wagengrab: Darin wurde vor langer Zeit ein keltischer Fürst auf einem Wagen mit vier Rädern bestattet. Oben steht ein Puppenhaus von 1757, mit allem, was in ein reiches Haus gehörte. Und hier steht eine alte Druckpresse. Ab 1800 wurde in Offenbach zum ersten Mal mit Steinen gedruckt, als Geschäft. Suche auf den Stadtmodellen die Häuser, an denen du heute vorbeigegangen bist.

Quellen

Koordinaten: 50.1084, 8.7616 · auf der Karte

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