Sie stehen vor der Stadtkirche Sankt Wenzel am Marktplatz, der evangelisch-lutherischen Hauptkirche der Stadt außerhalb des geistlichen Bezirks der ehemaligen Domfreiheit. Sie ist das markanteste Kirchenbauwerk und das Wahrzeichen der Ratsstadt. Ein Vorgängerbau wird 1228 erstmals erwähnt, über seine Gestalt ist nichts bekannt. Er stand etwa 200 Jahre, bis die Stadt 1426 den Neubau einer repräsentativen, großen Kirche beschloss. Geweiht wurde sie 1511, fertiggestellt war sie erst im Frühjahr 1517. Nur wenige Monate später, am Ursulatag 1517, brannte Sankt Wenzel bei einem katastrophalen Stadtbrand aus. 1724 erhielt das Innere eine barocke Ausstattung. Schauen Sie auf den Bau. Ungewöhnlich ist er: ein langer, einschiffiger Chor und ein sehr kurzes dreischiffiges Langhaus mit zwei Jochen. Einmalig ist das Dach. Ein ringförmiges Satteldach läuft über den Seitenschiffen und dem westlichen Polygon um die Kirche, ein zweites über Mittelschiff und Chor, ein drittes liegt quer dazu. Zwischen den Dächern entstehen tiefe Trichter, die im Dachboden nach außen entwässert werden. Das Mauerwerk besteht aus Muschelkalk. Saurer Regen aus der DDR-Zeit und die Witterung haben der Fassade zugesetzt. 2025 konnte die Instandsetzung der Südfassade abgeschlossen werden, ein Drittel der Arbeiten. Der Turm ist mit 72,5 Metern der höchste der Stadt. In 45 Metern Höhe liegt die Türmerwohnung, acht Meter darüber eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform. Der Turm gehört nicht der Kirche, sondern der Stadt, und der Türmer nahm städtische Aufgaben wahr, etwa die Brandschau. Von 1527 bis 1997 versahen 33 Türmer und drei Türmerinnen hier ihren Dienst. Die Stadt schaffte die Türmerstelle 1892 ab, die Wohnung mit fünf Zimmern und 70 Quadratmetern wurde aber weiter vermietet. Erst seit 1976 gab es dort eine Toilette und ausreichend Wasserdruck. Die Orgel baute Zacharias Hildebrandt. 1743 legte Johann Sebastian Bach in einem Gutachten im Auftrag der Stadt einen Neubau statt einer Reparatur nahe. Am 27. August 1743 schloss die Stadt mit Hildebrandt den Vertrag über ein Instrument mit 53 Registern. Bach und Gottfried Silbermann nahmen es am 27. September 1746 ab. Es hat mehr als 3200 Pfeifen und gehört der Stadt bis heute. Von 1993 bis 2000 wurde es aufwendig restauriert. Und die Glocken: Sechs hängen im Turm. Die drei größeren goss 1518 Martin Hilliger aus Freiberg, aus den Resten der beim Stadtbrand zerstörten Glocken. In Sachsen-Anhalt ist es das einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Geläut von einem Meister aus einem Guss.
Sie stehen vor der Stadtkirche Sankt Wenzel am Marktplatz. 1426 beschloss die Stadt den Neubau, 1517 war er fertig. Nur wenige Monate später brannte die Kirche am Ursulatag bei einem Stadtbrand aus. Ihr Turm ist mit 72,5 Metern der höchste der Stadt.
Du stehst vor der Wenzelskirche. Ihr Turm ist 72,5 Meter hoch, der höchste der Stadt. Dort oben wohnte früher der Türmer, in 45 Metern Höhe. Er erledigte Aufgaben für die Stadt, zum Beispiel die Brandschau. 1517 brannte die Kirche bei einem großen Stadtbrand aus, nur wenige Monate nach ihrer Fertigstellung. Danach goss man 1518 neue Glocken aus den Resten der alten. Drei von ihnen hängen noch heute im Turm. Würdest du gern in einer Wohnung hoch im Turm wohnen?
Koordinaten: 51.1517, 11.8097 · auf der Karte