Stadtohr

Stadtrundgang Lutherstadt Wittenberg · Station 13 von 16

Stadt- und Pfarrkirche St. Marien

um 1280 · stadtkirche, reformation, cranach, welterbe

Ausführlich

Sie stehen vor der Stadt- und Pfarrkirche St. Marien. Sie ist die Bürgerkirche der Stadt und war die Predigtkirche der Reformatoren Martin Luther und Johannes Bugenhagen. Hier wurde erstmals Luthers Deutsche Messe gefeiert, darum gilt sie als Mutterkirche der Reformation. Seit 1996 ist sie Teil des UNESCO-Welterbes. Zu den Jahreszahlen: Wikidata nennt 1281, eine Quelle nennt für den heutigen Altarraum um 1280. Die Pfarrkirche St. Marien wurde 1187 erstmals urkundlich erwähnt, ursprünglich soll es eine Holzkirche gewesen sein. Von 1412 bis 1439 ersetzte man das Langhaus durch die dreischiffige Halle, die noch vorhanden ist, und errichtete die Türme. 1522 wurde während eines Bildersturms fast die gesamte Inneneinrichtung demoliert. Martin Luther kehrte deshalb von der Wartburg zurück nach Wittenberg und hielt hier seine berühmten Invokavit-Predigten. Am 29. Oktober 1525 wurde in der Kirche erstmals seine Deutsche Messe gefeiert. Schauen Sie zum Altar. Er ist das wichtigste Ausstattungsstück und wird Reformations-Altar genannt. Lucas Cranach der Ältere entwarf ihn und malte den Großteil der Schauseite, sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere malte die Rückseite und vervollständigte die Vorderseite. 1547 wurde der Altar vollendet. Die Mitteltafel zeigt das Abendmahl, mit Martin Luther als Junker Jörg unter den Jüngern. Auf der linken Tafel hebt Philipp Melanchthon ein Kind aus der Taufe, auf der rechten Tafel ist unter anderem Johannes Bugenhagen zu sehen. An der südlichen Außenwand sehen Sie ein hochmittelalterliches Relief, eine sogenannte Judensau. Dieses Motiv sollte Juden verunglimpfen und verspotten. 1988 ließ die Gemeinde unterhalb eine Gedenkplatte des Bildhauers Wieland Schmiedel in den Boden ein, um auf die Folgen des Judenhasses aufmerksam zu machen. Das Landgericht Dessau-Roßlau entschied 2019, das Relief sei keine strafbare Beleidigung, und das Oberlandesgericht Naumburg bestätigte im Februar 2020, dass es erhalten bleiben darf. Am 14. Juni 2022 wies der Bundesgerichtshof die Revision des Klägers zurück. Die Begründung: Das Relief ist Teil eines Ensembles, das es als Teil einer Gedenk- und Erinnerungskultur zeigt, und der Informationstext distanziert sich von der Judenverfolgung und den antijudaistischen Schriften Luthers. Zur Geschichte danach: 1547 wurden die Holzpyramiden von den Türmen entfernt, damit Kanonen darauf stehen konnten, 1556 setzte man die achteckigen Hauben auf. 1811 wurde die Inneneinrichtung im Stil der Neugotik umgestaltet. Am 30. November 2014 wurde die Kirche nach einer umfassenden Sanierung erneut geweiht.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Stadt- und Pfarrkirche St. Marien. Sie war die Predigtkirche von Martin Luther und Johannes Bugenhagen. Hier wurde am 29. Oktober 1525 erstmals Luthers Deutsche Messe gefeiert. Deshalb gilt sie als Mutterkirche der Reformation.

Für Kinder

Das ist die Stadtkirche von Wittenberg. Hier hat Martin Luther gepredigt, und hier wurde am 29. Oktober 1525 zum ersten Mal seine Deutsche Messe gefeiert. Deshalb gilt die Kirche als Mutterkirche der Reformation. Im Inneren steht ein großer Altar, den Lucas Cranach und sein Sohn gemalt haben. Das Mittelbild zeigt das Abendmahl, und Luther ist darauf als einer der Jünger zu sehen. Warum, glaubst du, nannte man diesen Gottesdienst Deutsche Messe?

Quellen

Koordinaten: 51.8665, 12.6448 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.