Stadtohr

Stadtrundgang Ludwigsburg · Station 16 von 16

Schlosstheater Ludwigsburg

1758 · theater, bühnentechnik, barock, hofleben

Ausführlich

Sie stehen am Schlosstheater, der letzten Station unseres Rundgangs. Wir sind dorthin zurückgekehrt, wo wir begonnen haben: bei der Residenz. Das Theater ist ein Teil davon. Es liegt im Osten der Anlage, als Gegenstück zum Festinbau im Westen, und fasst mit ihm den Ehrenhof ein. Gebaut wurde es als Komödienhaus unter Herzog Eberhard Ludwig. Ab 1758 richtete Philippe de La Guêpière es unter Herzog Carl Eugen ein. Am 23. Mai 1758 fand die erste Aufführung statt. Der Herzog spielte selbst die Hauptrolle, in Stücken, die ihn in Anspielung auf antike Götter und Helden rühmen sollten. Ab 1802 ließ Herzog Friedrich der Zweite, der spätere König Friedrich der Erste, den Zuschauerraum von Nikolaus Friedrich von Thouret im klassizistischen Stil umgestalten. Das Theater bekam mit der Königsloge sozusagen eine zweite Bühne. Das Publikum im unbestuhlten Parkett durfte beim Umherwandeln selbst wählen, welchem Schauspiel es sich zuwandte. 1840 wurde in Stuttgart mit der Verlegung der Residenz das Wilhelma-Theater eröffnet. Ludwigsburg verfiel in einen Dornröschenschlaf. Erst seit etwa 1930 wird das Haus wieder für Aufführungen genutzt. Schauen Sie auf das Mansarddach mit seinen Dachgauben. Sie weisen hier nicht auf eine Wohnfunktion hin. Im Inneren: ein glockenförmiger Zuschauerraum mit drei Rängen, die senkrecht übereinanderstehen. Die Königsloge reicht über zwei Stockwerke und bietet Platz für fünfzehn bis zwanzig Personen. Ein Kronleuchter von 95 Kilogramm konnte zu Beginn jeder Aufführung durch eine Öffnung in der Decke aus dem Blick bewegt werden, mit einem Tretgöpel, einem Laufrad, das von Menschen bewegt wurde. Die Bühnenmaschinerie baute der Theatermaschinist Johann Christian Keim. Sie erlaubt bis heute offene Verwandlungen in elf Sekunden. Es gibt Regen- und Windmaschinen, einen Donnerschacht, Versenkungen und Schieber. Die Kulissen sind auf Stoff gemalt. Sie werden auf Kulissenwagen verschoben, zwei Serien von je sechs. Ein gedrehter Wellbaum unter der Bühne wickelt Seile auf, ein Gewicht treibt ihn an wie ein Uhrwerk. Noch heute sind sechzehn Garnituren Original-Kulissen vorhanden. Die Gefahr kam später. 1945 fiel bei einem Luftangriff ein Brandsatz in den Donnerschacht, und das Feuer war schon auf den Dachstuhl übergesprungen, bevor man es im letzten Moment löschte. Ab 1976 gab es für Aufführungen massive Eingriffe in die Bausubstanz: Die Vorbühne wurde abgesägt, die Rampenbeleuchtung herausgerissen, im Winter setzten Heißluftgeräte das Holz Temperaturschocks aus. Farbe und Stuck platzten ab. Von 1992 bis 1998 wurde das Haus restauriert. Seither finden bis zu 350 Zuschauer Platz. Das war die letzte Station. Vielen Dank, dass Sie mitgegangen sind.

Kurzfassung

Sie stehen am Schlosstheater, einem barocken Theater im Ludwigsburger Residenzschloss. Die erste Aufführung war am 23. Mai 1758, viele Ausstattungsteile blieben bis heute erhalten. Die Bühnenmaschinerie verwandelt die Szene in elf Sekunden. Nach sechs Jahren Restaurierung öffnete es 1998 neu.

Für Kinder

Du stehst am Schlosstheater, der letzten Station. Hier hat vor langer Zeit ein Herzog selbst die Hauptrolle gespielt. Die erste Aufführung war am 23. Mai 1758. Im Theater gibt es Maschinen für Regen und Wind und einen Donnerschacht für Donner. Wenn sich die Bühne verwandelt, dauert das nur elf Sekunden. Der Kronleuchter wog 95 Kilogramm und wurde zu Beginn der Aufführung nach oben aus dem Blick gezogen. Das Theater ist nicht beheizt, und viele Teile sind original. Würdest du gern einmal Donner machen?

Quellen

Koordinaten: 48.90022, 9.19694 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.