Stadtohr

Stadtrundgang Lorsch · Station 14 von 16

Palais von Hausen

1775–1779 · palais, barock, patrizierhaus, kurmainz

Ausführlich

Sie stehen vor dem Palais von Hausen, Bahnhofstraße 18, nördlich des Ortskerns. Es ist ein ehemaliges Stadtpalais und ein hessisches Kulturdenkmal. Das wohl einzige Lorscher Patrizierhaus wurde zwischen 1775 und 1779 vom Baumeister G. Günther errichtet, im Auftrag des Kurmainzer Oberforstmeisters Carl Wolfgang Joseph Freiherr von Hausen und Gleichenstorff, vermutlich für seine zweite Ehefrau Maria Sophia. Es steht an der Stelle des früheren Lorscher Freihofes. Dass es in Lorsch einen kurmainzischen Oberforstmeister gab, hat einen Grund: Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam Lorsch als Teil des Oberamtes Starkenburg wieder an Kurmainz. Kurmainz hatte zwei Forstbehörden, eine für den Spessart und eine für die Bergstraße mit Sitz in Lorsch. Die Familie von Hausen stellte über zwei Generationen den Oberforstmeister. Zur Geschichte des Hauses gehört die Geschichte der Familie. Mit seiner ersten Frau, die 1758 im Kindbett starb, hatte der Bauherr einen Sohn, mit seiner zweiten Frau, die er 1760 heiratete, noch zehn Kinder. Sophia von Hausen starb 1793, nur wenige Monate nach ihrem Mann. Das Haus erbte der älteste Sohn aus zweiter Ehe, Emmerich, der unverheiratet blieb und es nur mit Mühe unter Aufnahme einer Hypothek halten konnte. Der Sohn aus erster Ehe, ebenfalls Oberforstmeister, wurde am 27. Mai 1802, an Christi Himmelfahrt, im Lampertheimer Wald von Wilderern ermordet. Nach Emmerichs Tod 1835 wechselte das Palais mehrfach den Besitzer. Von 1868 bis 1921 gehörte es dem Bensheimer Fabrikanten Louis Auler, der es als Zigarrenfabrik nutzte, und danach seinem gleichnamigen Sohn. Deshalb nennt der ältere Volksmund das Palais bis heute die Aula. Nach der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Fabrik 1920 geschlossen, 1921 übernahm die Stadt das Anwesen und baute es zu einem Mehrfamilienhaus mit Sozialwohnungen um. Ab 1973 war es wieder in Privatbesitz und wurde umfassend renoviert. 2010 erwarb die Entwicklungsgesellschaft Lorsch das Palais. Schauen Sie das Haus an: ein kleiner zweistöckiger Bau in einfachen barocken Formen, in den Grundmauern und an den Seiten aus Odenwälder Sandstein, sonst in Fachwerk. Es hat sieben mal drei Achsen und ein Mansardwalmdach. Eine kleine Freitreppe führt zum geschwungenen Sandstein-Portal, darüber liegt ein Balkon. Drinnen dominiert ein großer Treppenaufgang. Heute sind der Freiherrensaal, zwei Salonräume und ein Kaminzimmer für Feste oder Tagungen zu mieten. Seit 2022 nutzt ein Restaurant den Gewölbekeller.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Palais von Hausen, Bahnhofstraße 18. Es entstand zwischen 1775 und 1779 als Stadtpalais eines Kurmainzer Oberforstmeisters und gilt als das wohl einzige Lorscher Patrizierhaus. Im Volksmund heißt es bis heute die Aula, nach einem Fabrikanten, der hier Zigarren herstellen ließ.

Für Kinder

Dieses Haus heißt Palais von Hausen. Gebaut wurde es zwischen 1775 und 1779 für einen Freiherrn, der Oberforstmeister von Kurmainz war, also ein hoher Beamter für die Wälder. Später stellte ein Fabrikant hier Zigarren her. Deshalb sagen manche Lorscher bis heute die Aula zu dem Haus. Dann wohnten Familien darin, und heute kann man das Haus für Feste mieten. Im Keller gibt es ein Restaurant. Schau zur Treppe vor der Tür und zum Balkon darüber. Wie viele Stufen zählst du?

Quellen

Koordinaten: 49.65544581, 8.567459155 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.