Willkommen in Leipzig. Sie stehen am Augustusplatz vor dem Gewandhaus. Nehmen Sie sich einen Moment, bevor wir losgehen, und sehen Sie den Platz einmal rundherum ab. Sie stehen auf einem der größten Stadtplätze Deutschlands, und fast alles darauf ist jünger als die Stadt. Darauf kommen wir später zurück. Dieses Haus wurde 1981 eingeweiht, der Grundstein 1977 gelegt. Es ist das dritte Gewandhaus, und der Name hat mit Musik nichts zu tun. Er kommt vom Gewand, vom Tuch. Das erste Gewandhaus war ein Zeughaus, 1498 in der Altstadt erbaut. Im Erdgeschoss lagerten bis 1828 die Waffen der Stadt. Im ersten Stock saßen die Tuchhändler, im zweiten und dritten lag die Tuchmarkthalle. Weil die Gewand- und Wollwarenhändler das Haus zur Messe nutzten, nannten es alle bald das Gewandhaus. 1780 und 1781 baute der Stadtbaudirektor Johann Carl Friedrich Dauthe in diese Halle einen Konzertsaal ein. Merken Sie sich den Namen, wir begegnen ihm heute noch zweimal. Der Saal war elf Meter vierzig breit und dreiundzwanzig Meter dreißig lang, das Podium rund dreiundsechzig Quadratmeter, Platz für bis zu fünfhundert Zuhörer. Weil er in die größere Tuchhalle eingebaut war, lag ein Resonanzraum um ihn herum. Fast alles war aus Holz, die Konstruktion stand auf Holzstützen über dem alten Tuchboden. Die Akustik galt als sehr gut. Am 25. November 1781 spielte dort erstmals das Orchester, das sich daraufhin Gewandhausorchester nannte. Es war älter als der Saal. 1743 hatten sich sechzehn Adlige, Bürger und Kaufleute zum Konzertverein Großes Concert zusammengetan, sechzehn Musiker gaben am 11. März 1743 das erste Konzert. Finanziert wurde das nicht von einem Fürsten, sondern durch hohe Jahresbeiträge der Mitglieder. Zuerst spielte man in Bürgerhäusern, ab 1744 in einem Saal des Gasthauses Drey Schwanen am Brühl, den der Rauchwarenhändler Gottlieb Benedict Zemisch auf eigene Kosten zum Konzertsaal umbauen ließ. An der Stirnseite des alten Saales stand ein abgewandeltes Zitat Senecas, das zum Leitspruch des Orchesters wurde: Res severa verum gaudium. Wahre Freude ist eine ernste Sache. Das zweite Gewandhaus wurde 1884 in der Grassistraße eröffnet, bezahlt aus einem Kredit aus dem Nachlass des Kaufmanns Franz Dominic Grassi. Diesem Mann begegnen wir heute noch dreimal. Sein Saal mit siebzehnhundert Plätzen war das architektonische Vorbild der 1900 errichteten Symphony Hall in Boston. Im November 1936 vernichteten die Nationalsozialisten das Mendelssohn-Denkmal, das vor diesem Haus stand. Zur Jahresangabe: Wikidata nennt für dieses Gewandhaus 1976, der Wikipedia-Quelle nennt 1981 als Jahr der Einweihung. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Gehen wir los.
Sie stehen am Augustusplatz vor dem Gewandhaus. Das Konzerthaus wurde 1981 eingeweiht. Es ist das dritte Haus dieses Namens: Das erste stand ab 1781 in der Altstadt, das zweite ab 1884 im Musikviertel. Zum Gewandhaus gehören Orchester, Chor und Kinderchor. Hier beginnt der Rundgang.
Du stehst vor dem Gewandhaus. Hier spielt ein großes Orchester. Der Name hat mit Musik aber nichts zu tun. Gewand ist ein altes Wort für Stoff. Vor über fünfhundert Jahren stand in Leipzig ein Haus, in dem Stoffhändler ihre Ware anboten. Unten lagerten die Waffen der Stadt, oben war die Tuchhalle. 1781 baute man dort einen Konzertsaal ein, für fünfhundert Zuhörer. Weil die Musiker nun im Gewandhaus spielten, heißen sie seitdem Gewandhausorchester. Der alte Saal war fast ganz aus Holz. Wie klingt Musik wohl in einem Haus aus Holz?
Koordinaten: 51.337778, 12.380556 · auf der Karte