Stadtohr

Stadtrundgang Kassel · Station 5 von 16

Kasseler Apollon

1. Hälfte 2. Jahrhundert n. Chr. · antike, skulptur, phidias, antikensammlung

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kasseler Apollon, einer Marmorstatue in der Antikensammlung auf Schloss Wilhelmshöhe. Sie ist die namengebende römische Kopie einer klassisch-griechischen Statue, vermutlich des Bildhauers Phidias. Zuerst, wen sie zeigt. Apollon ist der griechische Gott der Vegetation, ein Heil- und Sühnegott und Orakelgott in Delphi. Als Gott der Künste führt er die Musen an. Die weiße Marmorstatue wurde in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. von einem unbekannten römischen Bildhauer als Kopie eines verlorenen griechischen Bronzeoriginals angefertigt. Sie ist 2,00 Meter hoch, also deutlich überlebensgroß. Schauen Sie auf Haltung und Körper. Die Statue ist durch den Wechsel von Standbein und Spielbein leicht verwunden. Der Kopf hat klassisch griechische Gesichtszüge und lockiges Haar. Bemerkenswert ist die feine Definition der Muskeln bei breiten Schultern und schmalen Hüften. In der linken Hand hielt Apollon einen Bogen, in der rechten wohl eine Heuschrecke. Beide Attribute sind verloren. Außerdem war die Statue ursprünglich bemalt: Rote Farbreste sind in den Bohrgängen der Haare erhalten, Blaugrün und Gold zeigte der Bogenansatz in der linken Hand. Wie kommt man auf Phidias? 26 weitere Kopien sind bekannt, meist des Kopfes, und der Kasseler Apollon ist am vollständigsten erhalten. Die große Zahl deutet darauf hin, dass das Original berühmt war. Pausanias überliefert, dass auf der Akropolis in Athen eine Apollonstatue des Phidias stand, die den Gott als Abwender einer Heuschreckenplage zeigte. Weil die Kopien den Figuren des Parthenonfrieses stilistisch ähneln, liegt es nahe, das Vorbild mit der Statue des Phidias gleichzusetzen. Das ist eine Schlussfolgerung, kein Beweis. Der Weg nach Kassel. Die Statue wurde wahrscheinlich 1721 in einer römischen Villa am Lago di Sabaudia in Italien gefunden, die wohl ursprünglich Kaiser Domitian gehörte. Vermutlich stand sie davor in der Sammlung Conti in Rom. 1776 oder 1777 erwarb sie Landgraf Friedrich II. während einer Italienreise. Er interessierte sich für die Antike durch Lessings Laokoon und Winckelmanns Werk über die klassische Kunst. 1779 wurde die Statue im Museum Fridericianum der Öffentlichkeit zur Belehrung und Freude übergeben. Später war sie in der Neuen Galerie ausgestellt, und Goethe besichtigte sie. Seit 1974 steht sie in der Antikensammlung im Schloss Wilhelmshöhe.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Kasseler Apollon, einer Marmorstatue in der Antikensammlung auf Schloss Wilhelmshöhe. Sie ist eine römische Kopie einer griechischen Bronzestatue, vermutlich des Phidias. Sie entstand im 2. Jahrhundert n. Chr. Landgraf Friedrich II. erwarb sie 1776 oder 1777.

Für Kinder

Du stehst vor einer Statue aus weißem Marmor. Sie zeigt den griechischen Gott Apollon und ist zwei Meter hoch. Gemacht hat sie ein römischer Bildhauer, dessen Namen wir nicht kennen. Er hat eine griechische Statue aus Bronze nachgebaut, die verloren ist. Früher war die Statue bunt bemalt. Im Haar sind noch rote Farbreste. In der linken Hand hielt Apollon einen Bogen, in der rechten wohl eine Heuschrecke. Beides ist verloren. Landgraf Friedrich II. kaufte sie in Italien. Kannst du dir Apollon mit Farbe vorstellen?

Quellen

Koordinaten: 51.31583333, 9.49805556 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.