Stadtohr

Stadtrundgang Jena · Station 2 von 16

St. Michael

1380 · kirche, gotik, reformation, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Stadtkirche St. Michael. Seit über 750 Jahren ist sie der Mittelpunkt des kirchlichen Lebens in Jena. Vor ihr standen zwei romanische Vorgängerbauten, einer davon gehörte zu einem Nonnenkloster, das sich nördlich anschloss. Ausgrabungsfunde weisen auf einen Sakralbau im 11. oder frühen 12. Jahrhundert hin, in einem Friedhof, der bereits im 7. oder 8. Jahrhundert angelegt wurde. Reste sind in der Krypta unter dem Chor zu sehen. Der Bau der heutigen Hallenkirche begann 1380, nachdem das Jenaer Rathaus fertiggestellt war. Bis 1450 entstanden der Chor, die Einwölbung des Altarraumes und die drei östlichen Joche des Langhauses. Dann stand die Baustelle etwa dreißig Jahre still. Von 1474 bis 1557 wurden das Langhaus vollendet und der Turm errichtet, im Auftrag und auf Kosten des Rates der Stadt. Der Turm war ein städtisches Bauwerk, und juristisch gehört er der Kirche erst seit 1933. Treten Sie an die Südseite, die Schauseite. Hier liegen das Gerichtsportal und weiter östlich das reich verzierte Brautportal. Vor der Brauttür wurden die Trauungen vorgenommen, denn im Mittelalter galten sie als weltliche Handlungen. Erst nach der Zeremonie im Freien zog der Priester mit dem Brautpaar in die Kirche ein, um die Brautmesse zu feiern. Schauen Sie dann am Turm hinauf: 75 Meter, achteckig, mit Renaissance-Haube und einer Uhr mit einem einzigen Zeiger. Eine Besonderheit ist der von der Straße offene Durchgang unter dem Hochchor, die ehemalige Prozessionskavate. Die Nonnen des Zisterzienserinnenklosters nutzten ihn für liturgische Umzüge, und er gilt als eines der Sieben Wunder Jenas, als Ara, als Altar. Im Inneren hängt die Holzplastik des Angelus jenensis, der Erzengel Michael mit Lanze, Schwert und Drache, entstanden um 1240 aus Linden- und Eichenholz in einer Bamberger Werkstatt. Michael ist seit dem 13. Jahrhundert auch Stadtpatron und als Drachentöter die zentrale Gestalt im Stadtwappen. Von der Kanzel aus der Zeit vor 1507 hat Martin Luther mehrfach gepredigt. Hier liegt auch seine bronzene Grabplatte, 1549 vom Erfurter Glockengießer Heinrich Ziegler nach einer Bildvorlage von Lucas Cranach dem Älteren gefertigt. Bestimmt war sie für Wittenberg. Durch den Ausgang des Schmalkaldischen Krieges blieb sie in Jena, und in Wittenberg wurde eine Kopie aufgestellt. Am 19. März 1945 wurde die Kirche mit dem ganzen Stadtkern stark zerstört. Bis 1956 baute der Jenaer Architekt Hans Schlag den Innenraum wieder auf, mit Achteckpfeilern und Sterngewölbe. Die Zerstörung ist bis heute ablesbar: Das Gewölbe zur Turmseite ist einfacher gestaltet, das Gewölbe des unzerstörten östlichen Langhauses reicher, mit golden gefassten Schlusssteinen. Fünf Bronzeglocken hängen im Turm, 1947 in Apolda gegossen. Weiter geht es zum Planetarium.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Stadtkirche St. Michael. Der Bau der heutigen Hallenkirche begann 1380. Der 75 Meter hohe Turm wurde erst in der zweiten Bauphase bis 1557 fertig, bezahlt hat ihn der Rat der Stadt. Am 19. März 1945 wurde die Kirche stark zerstört. Der Erzengel Michael ist auch Stadtpatron.

Für Kinder

Vor dir steht die älteste große Kirche der Stadt. Ihr Turm ist 75 Meter hoch, und seine Uhr hat nur einen einzigen Zeiger. Im Inneren gibt es eine Holzfigur, die fast 800 Jahre alt ist: der Engel Michael mit Lanze und Schwert, und unter ihm ein Drache. Michael ist auch das Wappentier der Stadt Jena. Vor dem Hochzeitsportal an der Südseite wurden früher die Paare getraut, draußen, vor der Tür. Erst danach gingen alle zusammen in die Kirche. Wo würdest du heiraten wollen, drinnen oder draußen?

Quellen

Koordinaten: 50.9290587, 11.587989955 · auf der Karte

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