Stadtohr

Stadtrundgang Ingolstadt · Station 1 von 16

Münster Zur Schönen Unserer Lieben Frau

1500 · spätgotik, backstein, wittelsbacher, gewölbe

Ausführlich

Willkommen in Ingolstadt. Bevor wir über dieses Gebäude sprechen, kurz zur Stadt, in der Sie stehen. Ingolstadt wurde 806 erstmals erwähnt. Im späten Mittelalter war es neben München, Landshut und Straubing eine der Hauptstädte der bayerischen Teilherzogtümer. Am 13. März 1472 entstand hier die erste Universität Bayerns, die sich später als Zentrum der Gegenreformation profilierte. Und für gut vierhundert Jahre war die Stadt bayerische Landesfestung. Herzogshof, Universität, Festung. Diese drei Fäden laufen durch den ganzen Rundgang. Sie stehen vor dem Liebfrauenmünster. Offiziell heißt es Münster Zur Schönen Unserer Lieben Frau, im Alltag Obere Pfarr. Das Wort Münster meint hier keine Klosterkirche, sondern allein die Größe. 1407 wurde die Stadt in zwei Pfarreien geteilt. Die ältere, St. Moritz, heißt seither Untere Pfarr, die neue bekam diesen Bau. 1425 wurde der Grundstein gelegt, eine Inschrift am südöstlichen Portal hält das Datum fest. Finanziert hat den Bau eine Stiftung des Wittelsbacher Herzogs Ludwig VII. Er wollte hier begraben werden. Dazu kam es nie, er starb in Gefangenschaft und liegt im Kloster Raitenhaslach. 1438 stiftete er der Kirche noch ein wertvolles Marienbildnis, nach dem sie benannt ist; 1801 wurde es zerstört. Jetzt die Baustelle, und das ist die eigentliche Geschichte. Anfang und Ende sind gut belegt, die Mitte nicht. 1425 begann der Kranz aus sechs rechteckigen Kapellen um den Chorumgang. Dann schweigen die Quellen über Jahrzehnte. Ein Einschnitt war vielleicht die Vertreibung des Bauherrn 1438. Erst 1489 gibt es wieder ein festes Datum, die Traufzone des Chores. Hanns Rottaler, zwischen 1497 und 1504 in Ingolstadt nachweisbar, zog ab 1503 das Mittelschiffgewölbe ein, ein Netz, das die Grenzen der einzelnen Joche verschleift. 1525, hundert Jahre nach dem ersten Stein, war das Münster fertig. Die Türme sollten mit Spitzen statt Hauben sechsundachtzig Meter erreichen. Das Geld reichte nicht, sie stehen bei 62 und 69 Metern, und die Vorhalle zwischen ihnen blieb in den unteren Teilen stecken. Schauen Sie das Material an. Hier ist nichts verputzt. Das Liebfrauenmünster ist der einzige große gotische Blankziegelbau nördlich der Donau in Altbayern. Und schauen Sie die beiden Türme an: sie stehen übereck, um fünfundvierzig Grad aus der Achse des Gebäudes gedreht. Wikipedia nennt 1425 als Baubeginn und 1525 als Fertigstellung, Wikidata nennt 1500. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Im Inneren steht der Hochaltar von Hans Mielich, 1572 im Auftrag Herzog Albrechts V. zum hundertjährigen Bestehen der Landesuniversität eingesetzt. Pfarrer dieser Kirche war lange Johannes Eck, der Ingolstädter Kontroverstheologe. Er starb 1543 und wurde hier beigesetzt. Gehen wir weiter.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Liebfrauenmünster, der Oberen Pfarr von Ingolstadt. Der Bau begann 1425 mit einer Stiftung Herzog Ludwigs VII. und war erst 1525 fertig, hundert Jahre später. Münster heißt die Kirche nicht wegen eines Klosters, sondern wegen ihrer Größe. Die beiden Westtürme blieben unvollendet.

Für Kinder

Du stehst vor einer Kirche aus roten Ziegelsteinen. Sie ist so groß, dass man sie Münster nennt. Die Leute haben hundert Jahre an ihr gebaut: Sie fingen 1425 an und waren erst 1525 fertig. Stell dir vor, dein Urgroßvater fängt an und erst du wirst fertig. Schau nach oben zu den zwei Türmen. Sie sollten viel höher werden, mit spitzen Dächern, sechsundachtzig Meter. Aber das Geld ging aus. Deshalb stehen sie bis heute unfertig da. Fällt dir auf, dass die Türme schief zum Haus stehen? Sie sind mit der Ecke nach vorne gedreht.

Quellen

Koordinaten: 48.764251, 11.420503 · auf der Karte

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