Stadtohr

Stadtrundgang Hamburg · Station 11 von 16

Gänsemarkt Passage

1979 · einkaufspassage, postmoderne, abriss, gänsemarkt

Ausführlich

Sie stehen am Gänsemarkt 50. Hier stand die Gänsemarkt-Passage, eine Einkaufspassage in der Hamburger Neustadt. 1979 wurde sie fertiggestellt, 2022 und 2023 wurde sie abgerissen. Gebaut wurde sie von 1976 bis 1979 nach einem Entwurf des Architekturbüros Graaf, Schweger und Partner. Bauherr war die Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG, die Baukosten betrugen 60 Millionen D-Mark. Vorher stand an dieser Stelle, hinter dem Haus Nummer 50, die Oper am Gänsemarkt, später dann das Hamburger Traditionslokal Ehmke und daneben ein weißer Flachbau mit der Geschäftsstelle des Hamburger Abendblatts. Das Lokal und der Flachbau wurden für den Neubau abgerissen. Die Passage verband die Einkaufsbereiche Gänsemarkt und Colonnaden. Sie enthielt etwa fünfzig Ladengeschäfte und Gastronomie auf drei Ebenen. In den oberen Geschossen lagen Büros. Man baute sie als Ladenstraße nach dem Vorbild der Passage des 19. Jahrhunderts, bewusst in Abkehr von Kaufhäusern oder Shop-in-Shop-Konzepten. Als Gestaltungsmittel wählte man deutliche Grenzen zwischen Laden- und Passagenräumen und Tageslicht durch ein Glasdach. Das Gebäude war ein Stahlbau mit Betondecken sowie einer Fassade aus Metall und Glas, die in bewusstem Kontrast zur Umgebung stand. Bei der Eröffnung 1979 wurde die Passage als das Modernste wahrgenommen, was auf gewerbliche Interessen ausgerichtete Architektur zu bieten hatte. 2001 wurde sie saniert. Das Ende kam in mehreren Schritten. 2019 erwarb die österreichische Signa Holding von René Benko die Passage und kündigte Abriss und Neubau an. Der Neubau sollte von 2023 bis 2025 entstehen und 250 Millionen Euro kosten, mit Büros, Gastronomie, Handwerksbetrieben und 22 Wohnungen. Im Herbst 2023 wurden die Bauarbeiten vorläufig gestoppt, weil der Investor offenbar nicht genügend Mieter gewinnen konnte und die Banken weitere Kredite verweigerten. Im Januar 2025 erwarb die HanseMerkur Versicherungsgruppe das Grundstück aus der Insolvenzmasse der Signa Holding. Das Projekt läuft seitdem unter dem Namen Gänsemarkt Höfe. Der Neubau soll bis Mitte 2028 fertig sein, auf rund 20.000 Quadratmetern, und zwei denkmalgeschützte Altbauten an den Colonnaden einbeziehen. Der Denkmalverein Hamburg bedauerte den Abriss. Er nannte die langjährige Traditionspassage trotz teils fehlenden Denkmalschutzes ein hervorragendes Zeugnis postmoderner Architektur in Hamburg, von der bereits viele Beispiele überformt oder abgerissen wurden. Die Passage ist auch Handlungsort mehrerer Romane und eines Tatorts: Der König kehrt zurück, von 1995.

Kurzfassung

Sie stehen am Gänsemarkt 50. Hier stand die Gänsemarkt-Passage, 1979 fertiggestellt und 2022 und 2023 abgerissen. Sie verband die Einkaufsbereiche Gänsemarkt und Colonnaden. Der Denkmalverein nannte sie ein hervorragendes Zeugnis postmoderner Architektur in Hamburg.

Für Kinder

Du stehst an einem Platz, an dem es früher eine Einkaufspassage gab, die Gänsemarkt-Passage. Sie hatte ein Glasdach, damit Tageslicht hineinfiel, und etwa fünfzig Läden. Dann wurde sie abgerissen, 2022 und 2023. Eigentlich sollte ein neues Haus entstehen, aber der Bau wurde gestoppt, weil die Banken kein Geld mehr geben wollten. Eine andere Firma hat das Grundstück gekauft und will neu bauen. Manche Leute fanden den Abriss schade, weil die Passage ein gutes Beispiel für einen bestimmten Baustil war. Was würdest du an dieser Stelle bauen?

Quellen

Koordinaten: 53.55532, 9.98938 · auf der Karte

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