Stadtohr

Stadtrundgang Gunzenhausen · Station 16 von 16

Synagoge Gunzenhausen

1882–1883 · synagoge, novemberpogrom, gedenken

Ausführlich

Sie stehen an der Stelle der Synagoge von Gunzenhausen. Sie stand in der Mariusstraße, der heutigen Bühringerstraße, und wurde 1882/83 erbaut. Heute erinnert eine Gedenktafel am Standort an sie. Stellen Sie sich vor, was hier stand: Die Synagoge im Stil der Neuromanik war 21,65 Meter breit und 21,80 Meter lang. Eine Freitreppe führte im Nordwesten in die Vorhalle mit drei Arkaden. Von dort kam man in die Türme und über drei Portale in den Betsaal. Die Apsis fasste den Toraschrein und die Bima. Es gab 118 Männerplätze und 60 Kinderplätze, dazu eine dreiseitig umlaufende Frauenempore. Im Keller lag die Mikwe. Die Zwiebeltürme waren von Davidsternen bekrönt, die Synagoge gehörte zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. Rechts daneben stand das jüdische Schulhaus. Den ersten Entwurf lieferte der Maurermeister August Handschuh, doch die königliche Baubehörde in München fertigte im Mai 1882 neue Pläne. Am 19. Oktober 1883 weihte der Ansbacher Distriktsrabbiner Aron Bär Grünbaum sie ein. Schon 1928 waren Fenster der Synagoge eingeworfen worden. Der Wikipedia-Quelle zur Stadt nennt den Hintergrund: Seit der Gründung der NSDAP-Ortsgruppe 1922/23 kam es in Gunzenhausen verstärkt zu antisemitischen Zwischenfällen, der jüdische Friedhof wurde geschändet und die Fenster der Synagoge eingeworfen. Am 8. November 1938, einen Tag vor dem Novemberpogrom, kaufte die Stadt Gunzenhausen die Synagoge der jüdischen Gemeinde ab, für 8.000 Reichsmark. Die Gedenktafel hält fest, die Gemeinde habe Synagoge und Schule 1938 aus politischen Gründen an die Stadt veräußern müssen. Am 10. November sollte sie von der SA niedergebrannt werden. Das geschah nicht, weil das Feuer auf die nahe stehenden Häuser hätte übergreifen können. Eine Woche später, am 17. November um die Mittagszeit, wurden die Kuppeln in einer öffentlichen Veranstaltung gefällt. Eingeladen hatte eine Anzeige im Altmühl-Boten vom 15. November, viele Bürger kamen. Bürgermeister Johann Appler sprach zu den Anwesenden. Die Gedenktafel spricht von der östlichen Turmhaube, die herabgestürzt wurde. Von 1942 bis 1945 wohnten französische Kriegsgefangene im Gebäude, von 1947 bis 1949 war es ein Kaufhaus, von 1953 bis 1980 eine Werkhalle. 1981 wurde die Synagoge aus unbekannten Gründen abgebrochen, das Grundstück neu bebaut. Hier endet unser Rundgang. Er begann an einem Haus der jüdischen Gemeinde, dem mit der Mikwe, und endet an ihrer Synagoge.

Kurzfassung

Sie stehen an der Stelle der Synagoge von Gunzenhausen. Sie wurde 1882/83 im Stil der Neuromanik gebaut und stand in der Mariusstraße, der heutigen Bühringerstraße. 1938 kaufte die Stadt sie der jüdischen Gemeinde ab, 1981 wurde sie abgebrochen.

Für Kinder

Du stehst dort, wo einmal die Synagoge von Gunzenhausen stand. Sie wurde 1882 und 1883 gebaut, mit Zwiebeltürmen, auf denen Davidsterne saßen. Im November 1938 kaufte die Stadt die Synagoge der jüdischen Gemeinde ab. Die Gemeinde musste verkaufen, sagt die Gedenktafel, aus politischen Gründen. Eine Woche nach der Pogromnacht wurden die Kuppeln bei einer öffentlichen Veranstaltung gefällt. 1981 wurde das Haus abgebrochen. Heute erinnert eine Gedenktafel an die Synagoge. Hier endet unser Rundgang. Findest du die Gedenktafel?

Quellen

Koordinaten: 49.113822, 10.756575 · auf der Karte

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