Stadtohr

Stadtrundgang Görlitz · Station 9 von 16

Rathaus Görlitz

1369 · rathaus, renaissance, uhrturm, gerichtsbarkeit

Ausführlich

Sie stehen vor dem Rathaus von Görlitz, Untermarkt 6 bis 8. Es ist seit etwa 1350 Ort der städtischen Verwaltung, Macht und Gerichtsbarkeit. Wikidata nennt 1369. Das ist das Jahr, in dem das Rathaus durch eine Urkunde des Görlitzer Rats erstmals als Rathaus belegt ist. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Zur Vorgeschichte: 1303 begann man mit der Planung eines Verwaltungsbaus, während der Bauphase war ein hölzerner Vorgängerbau Sitz der Verwaltung. Mangels Platz verzichtete man auf einen Neubau und kaufte 1350 ein bereits existierendes Gebäude im Südwesten des Untermarktes. Es war ursprünglich das Wohnhaus eines böhmischen Dienstmannes. 1369 wurde das Rathaus erstmals in einem Bericht an Kaiser Karl IV. erwähnt, als ein Handwerkeraufstand geschildert wurde. Schauen Sie zum Turm. Das Türmchen wird 1378 erstmals erwähnt. Von 1511 bis 1516 wurde der Turm aufgestockt, Stadtwerkmeister Albrecht Stieglitzer begründete es mit besserer Übersicht und besserem Schutz der Stadt. 1524 bekam der Turm eine Uhr, die heutige schuf 1584 Bartholomäus Scultetus. Ein Blitz beschädigte sie 1742, 1743 wurde sie erneuert. Im unteren Zifferblatt ist der Kopf eines Stadtwächters dargestellt. Der Legende nach wurde er lebendig im Turm eingemauert, weil er den Stadtbrand vom 30. April 1556 verschlafen hatte. Einmal pro Minute öffnet er die Augen, und der Stadtbrand spiegelt sich darin, in orange leuchtenden Augen. Vor Erstaunen öffnet er dann den Mund. Am Turm sitzt auch das Wappen des ungarischen Königs Matthias Corvinus, des damaligen Landesherrn von Görlitz. Die Stadt hatte sich von König Georg von Podiebrad abgewandt und hielt zum neuen Herrscher. Die Rathaustreppe wurde 1537 vermutlich von Wendel Roskopf erbaut und gilt als Meisterwerk der Frührenaissance. Der Bildhauer Andreas Walther I verzierte sie mit Eva im Sündenfall und mit Sirenen, aber auch mit Putten, die die Treppe als Rutschbahn nutzen. Neben der Treppe steht die Verkündungskanzel von 1537 und 1538. 1591 kam die Justitia dazu. Anders als sonst fehlt ihr die Augenbinde. Damit sollte nicht die Görlitzer Rechtsprechung kritisiert werden; es sollte ausgedrückt werden, dass ihr Urteil ungetrübt sei. Das heutige Bildnis ist eine Kopie. Das Original war im Zweiten Weltkrieg jenseits der Neiße ausgelagert und kehrte nach Kriegsende nicht zurück. Der Erweiterungsbau von 1903 im Stil der Neorenaissance stammt vom Architekten Jürgen Kröger. Er trägt die Wappen der Mitgliedsstädte des Oberlausitzer Sechsstädtebundes. Diesen Bund gründeten Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau am 21. August 1346. Er sollte im Auftrag des böhmischen Königs den Landfrieden wahren und bestand bis 1815.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Rathaus von Görlitz am Untermarkt. Es ist seit etwa 1350 Ort der städtischen Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Zum Rathaus gehören ein Uhrturm, eine Renaissancetreppe und eine Verkündungskanzel mit der Justitia.

Für Kinder

Du stehst vor dem Rathaus von Görlitz. Schau nach oben zum Turm. Dort gibt es zwei Uhren. Im unteren Zifferblatt ist das Gesicht eines Stadtwächters. Man erzählt: Er hatte einen Stadtbrand verschlafen und wurde dafür im Turm eingemauert. Das ist eine Legende. Jede Minute öffnet er die Augen, sie leuchten orange wie Feuer. An der Treppe sind kleine Figuren zu sehen, Putten genannt, die die Treppe wie eine Rutschbahn benutzen. Findest du sie? Und siehst du, was der Justitia fehlt, der Figur an der Kanzel neben der Treppe?

Quellen

Koordinaten: 51.156277777, 14.990611111 · auf der Karte

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