Stadtohr

Stadtrundgang Esslingen am Neckar · Station 11 von 16

Kielmeyerhaus

· kelter, spital, renaissance, sagen

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kielmeyerhaus. Es ist das beherrschende Haus in der nördlichen Fassadenreihe am Marktplatz und eine ehemalige Spitalkelter. Gebaut wurde sie 1582 von den Zimmermeistern Jacob Johann und Jacob Zech sowie dem Maurer Hans Flachtern. Sie sollte die abgebrannte Kelter des Katharinenspitals ersetzen. Von diesem Spital ist heute nur das Kielmeyerhaus als letzter Bauzeuge übrig, die übrigen Gebäude standen auf dem Marktplatz und wurden 1811 abgerissen. Beim Bau nutzte man die noch erhaltenen älteren Gewölbekeller auf dem Grundstück. Im Erdgeschoss entstand eine etwa fünf Meter hohe Kelterhalle mit zwei rundbogigen Toreinfahrten. Dort standen ursprünglich acht Weinpressen. Im ersten Obergeschoss lagen die Wohnung des Spitalforstmeisters und Lagerräume, darüber in vier Dachgeschossen die Schüttböden. Seit dem 18. Jahrhundert gehört das Haus der Familie Kielmeyer, die es zum Wohn- und Geschäftshaus umbaute. Im 19. Jahrhundert zerstörte man die Halle durch eine Zwischendecke. Einer der Torbögen fiel einem Schaufenster zum Opfer. Schauen Sie an die Fassade: Dort sehen Sie das Reichswappen mit der Kette des Goldenen Vlieses. Außerdem ist ein Relief der heiligen Katharina zu sehen, unter dem Spruchband Soli deo gloria. Sie ist zwischen zwei Säulen dargestellt, mit dem Spitalwappen, Schwert und Rad. An der Südwestecke sitzt das sogenannte schwarze Männle oder Keltermännle. Es trägt einen Wappenschild und das Steinmetzzeichen Hans Flachterns. Auch das Baudatum ist hier abzulesen. Um das Männle ranken sich Sagen. Es soll diebische Keltergehilfen mit Knüppelschlägen bestraft haben. In den vom Geiselbach durchflossenen Kellergewölben soll außerdem ein Krokodil gehaust haben, das einer Tierschau auf dem Marktplatz entkommen war und hin und wieder einen Küfermeister auffraß. Das sind Sagen, keine belegten Ereignisse. Der Giebel zeigt Renaissancefachwerk mit gebogenen Fußstreben und geschnitzten Kopfbändern. Eine der drei Ladeöffnungen besitzt noch die alte Hebevorrichtung mit Wellbaum. 2010 wählte die Künstlerin Renate Mildner-Müller das Haus als Motiv für die Esslinger Reihe, eine jährlich erscheinende Lithographie in limitierter Auflage.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Kielmeyerhaus, einer ehemaligen Spitalkelter. Sie wurde 1582 gebaut und ersetzte die abgebrannte Kelter des Katharinenspitals. Heute ist es dessen letzter Bauzeuge. Am Haus sehen Sie das schwarze Männle, an das sich Sagen knüpfen.

Für Kinder

Du stehst vor dem Kielmeyerhaus. Es war früher eine Kelter. Das ist ein Haus, in dem Wein gepresst wird. Hier standen acht große Weinpressen. Am Haus gibt es zwei Dinge zu suchen. Ganz in der Südwestecke ist ein kleiner schwarzer Mann angebracht, das schwarze Männle. Man erzählt sich, es habe Keltergehilfen verprügelt, die etwas gestohlen haben. Und in den Kellern soll einmal ein Krokodil gelebt haben, das aus einer Tierschau entkommen war. Das ist eine Sage. Was meinst du, ist sie wahr?

Quellen

Koordinaten: 48.743, 9.3067 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.