Stadtohr

Stadtrundgang Darmstadt · Station 13 von 16

Russische Kapelle

1897 · kapelle, zarenhof, orthodox, glocken

Ausführlich

Sie stehen vor der Russischen Kapelle auf der Mathildenhöhe, die der Heiligen Maria Magdalena geweiht ist. Gebaut wurde sie von 1897 bis 1899 nach Plänen des Petersburger Architekten Léon Benois, einem Großvater Peter Ustinovs. Sie steht zwischen Jugendstilgebäuden und ist doch im Stil russischer Kirchen des 16. Jahrhunderts gehalten, errichtet auf importierter russischer Erde. Auftraggeber war Zar Nikolaus II. Seine Frau, die Zarin Alexandra, war eine gebürtige Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt. Bei Besuchen in ihrer Heimat wollte der Zar nicht auf ein eigenes Gotteshaus für seine Familie und seinen Hofstaat verzichten. Die Kosten von rund 400.000 Mark trug er aus seinem Privatvermögen. An dieser Stelle stand zuvor ein Gartenhaus von Georg Moller. Die Einweihung fand am 8. Oktober 1899 in Anwesenheit des Zaren statt. Das Innere ist mit Mosaiken und Ausmalungen nach Entwürfen des russischen Malers Wiktor Wasnezow ausgeschmückt, vollendet erst 1903. Léon Benois entwarf auch eine ähnliche Kapelle in Bad Homburg vor der Höhe. Deren Grundstein wurde ein Jahr vor dem dieser Kapelle gelegt. Vor der Kirche steht eine Brunnenanlage im Jugendstil von 1914, aus Anlass der vierten Ausstellung der Künstlerkolonie nach einem Entwurf von Albin Müller mit Figuren von Bernhard Hoetger. 1918 ging die ursprüngliche Hofkapelle in den Besitz der Russisch-Orthodoxen Diözese über. 1914 wurde die Kapelle einer Quelle nach geschlossen, und man entfernte unter anderem die Vergoldung der Turmdächer, fünf Glocken, vier bemalte Fenster und die vergoldete Altartür. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte man das Glockenspiel mit reparierten oder zugekauften Glocken wieder her, doch das Ergebnis klang nicht harmonisch. 2019 kaufte man deshalb sieben neue Glocken von der russischen Glockengießerei Vera in Woronesch, die den speziellen Rostower Klang herstellt. Sie wiegen 550, 230, 190, 42, 25, 18 und 10 Kilogramm. Von 2005 bis 2008 wurde die Kapelle für 1,1 Millionen Euro restauriert. Bis heute finden hier orthodoxe Gottesdienste statt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Russischen Kapelle, die der Heiligen Maria Magdalena geweiht ist. Zar Nikolaus II. ließ sie von 1897 bis 1899 nach Plänen von Léon Benois bauen, auf importierter russischer Erde. Bis heute finden hier orthodoxe Gottesdienste statt.

Für Kinder

Diese kleine Kirche hat ein Zar bauen lassen, ein russischer Herrscher: Nikolaus der Zweite. Seine Frau war eine Prinzessin aus Hessen-Darmstadt. Wenn die Familie zu Besuch war, wollte er trotzdem einen eigenen Gottesdienst feiern. Deshalb hat er diese Kapelle bezahlt. Sie steht auf Erde, die aus Russland hierher gebracht wurde. Sieben neue Glocken kamen 2019 aus Russland. Die schwerste wiegt 550 Kilogramm, die leichteste zehn. Kannst du dir den Klang vorstellen?

Quellen

Koordinaten: 49.876418798, 8.667035876 · auf der Karte

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