Stadtohr

Stadtrundgang Braunschweig · Station 16 von 16

St. Nicolai

1710 · verlorene kirche, barock, fachwerk, katholisch

Ausführlich

Sie stehen an der Friesenstraße, am letzten Ort dieses Rundgangs, und hier gibt es ein Bauwerk, das fehlt. Hier stand die Nicolaikirche, eine katholische Kirche und eines der bedeutendsten Barockbauwerke in Braunschweig. Sie lag in einem Hinterhof, und an ihrer Stelle ist heute der Schulhof der katholischen Grundschule Edith Stein. Ein erhaltenes Torportal erinnert noch an sie. Eine Quelle sagt aber auch, dass Fassadenteile weichen mussten und derzeit nicht öffentlich zu besichtigen sind. Was Sie genau sehen, kann ich nach einer Quelle nicht sagen. Die Geschichte: Braunschweig hatte sich 1528/31 dem lutherischen Glauben angeschlossen. Als Herzog Anton Ulrich 1710 zum Katholizismus übertrat, ließ er gegen den Widerstand der Braunschweiger Geistlichkeit diese Kirche bauen und stiftete sie. Hermann Korb und Graf Damian Hugo von Schönborn errichteten sie von 1710 bis 1712 als Fachwerkbau. In ihm lagen auch die Gemeindeschule und die Pfarrwohnung. Der Hofmaler Tobias Querfurt, der kurz nach seinem Herzog ebenfalls konvertiert war, malte den Innenraum aus. Die Decke war ein Spiegelgewölbe mit Fresken, in der Mitte die Dreieinigkeit. Der Hochaltar hatte mehrere Figuren, dazu lebensgroße Holzfiguren der Apostel Petrus und Paulus. Über dem Eingang stand zwischen den Skulpturen des Glaubens und der Hoffnung in einer Nische der heilige Nikolaus. 1712 wurde die Kirche dem heiligen Nikolaus geweiht, 1908 nach einem Umbau neu eingeweiht. Am 15. Oktober 1944 kam der schwerste Luftangriff auf Braunschweig. Er vernichtete in einem Feuersturm etwa 90 Prozent der mittelalterlichen Innenstadt, auch diese Kirche. Sie wurde, wie fast die gesamte Bebauung an der Friesenstraße, nicht wieder aufgebaut. Der Gemeinde wurde am 1. September 1945 die Aegidienkirche übergeben, die vorher als Museum genutzt worden war. Dort waren wir beim Landesmuseum. 1948 wurde der erste Gottesdienst gefeiert, 1979 übernahm die Gemeinde den Namen St. Aegidien. Viele Vertriebene, vor allem aus Schlesien, kamen nach Braunschweig, die Zahl der Katholiken stieg, heute sind es etwa zwölf Prozent. An die Kirche erinnert der St.-Nicolai-Platz. Und noch ein Ort der Gemeinde: Der Friedhof an der Hochstraße diente zwischen November 1942 und Ende 1944 zur Bestattung katholischer Kriegsgefangener, Zwangsarbeiter und Säuglinge. Er ist seit etwa dem Jahr 2000 eine Gedenkstätte. Damit endet unser Rundgang. Sie haben einen Löwen aus Bronze gesehen, ein wieder aufgebautes Schloss, eine rekonstruierte Alte Waage und eine Kirche, die nicht wiederkam.

Kurzfassung

Sie stehen dort, wo bis 1944 die Nicolaikirche stand, in einem Hinterhof an der Friesenstraße. Die Fachwerkkirche wurde 1710 bis 1712 gebaut, als erste katholische Kirche in Braunschweig seit der Reformation. Am 15. Oktober 1944 zerstörte sie ein Feuersturm. Heute ist hier ein Schulhof.

Für Kinder

Du stehst am letzten Ort unseres Rundgangs. Früher stand hier eine Kirche, die Nicolaikirche. Sie war aus Holzbalken, innen bemalt, und wurde 1944 bei einem Luftangriff zerstört. Heute ist hier ein Schulhof. Ein altes Tor erinnert an die Kirche. Die Innenstadt von Braunschweig wurde damals zu etwa 90 Prozent zerstört, und manches baute man wieder auf, zum Beispiel die Alte Waage. Welche Station hat dir am besten gefallen?

Quellen

Koordinaten: 52.264275, 10.530164 · auf der Karte

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