Stadtohr

Stadtrundgang Brandenburg an der Havel · Station 16 von 16

Neustädtischer Mühlentorturm

· torturm, stadtmauer, backsteingotik, neustadt

Ausführlich

Sie stehen vor dem Neustädtischen Mühlentorturm, unserem letzten Halt. Er ist ein Torturm der Neustädter Stadtmauer und gehört zu den ehemals mindestens acht Tortürmen der beiden Städte Brandenburg. Heute sind noch vier erhalten. Die mittelalterliche Wehranlage hatte einst zehn Tore. Zuerst der Name. Das Tor kontrollierte die Ausfallstraße der Neustadt nach Nordosten, später Spandauer Heerstraße genannt. Sie führte über den Mühlendamm zur Dominsel und weiter in Richtung Spandau. Vor dem Tor, auf dem Mühlendamm, lagen Wassermühlen der Neustadt. Sie nutzten schon seit Anfang des 13. Jahrhunderts den Höhenunterschied des Wassers, den man durch Aufstauen der Havel um etwa 1,20 Meter erzeugte. Neustädtisch heißt der Turm, weil auch die Altstadt einen Mühlentorturm hatte, der aber 1805 abgetragen wurde. Schauen Sie auf die Form. Der Backsteinbau im Stil der Pommerschen Spätgotik hat einen achteckigen Grundriss und ist 28,85 Meter hoch. Die acht Seiten tragen hohe gotische Spitzbogenblenden. Im Dachgeschoss umschließt ein Zinnenkranz die achteckige Spitzhaube, auf der ein schmiedeeiserner Adler sitzt. Der Turm hat fünf Geschosse, die man nur über Leitern und enge Deckenöffnungen erreicht. Das unterste Geschoss diente mutmaßlich als Gefängnisraum. Die Tür liegt stadtseitig im Süden, vier bis fünf Meter über dem Boden. Nach Marcus Cante zählt der Turm zu den ungewöhnlichsten und künstlerisch besten Befestigungstürmen der Mark. Eine Tafel an der südlichen Außenwand nennt den Baumeister, Nikolaus Kraft aus Stettin. Die Inschrift lautet übersetzt: Im Jahre des Herrn 1411 ist dieser Turm durch Meister Nikolaus Kraft aus Stettin aufgeführt worden. Dendrodatierungen der Ankerhölzer zeigen, dass er innerhalb eines Jahres fertig war. An der Turmspitze fand man Formsteine, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der Baustelle der Nordkapelle von St. Katharinen stammen, die 300 Meter südwestlich liegt. Dort waren wir eben. Im ersten Obergeschoss haben sich Spuren der DDR erhalten: Die Jungen Pioniere und die FDJ haben sich mit ihren Emblemen verewigt. Das Tor selbst gehörte zu einer Toranlage mit Vortor, die bis ins 17. Jahrhundert vollständig erhalten war. Bis 1839 stand östlich neben dem Turm ein barockes Tor. Und noch eine Beobachtung zum Ende: Beide Städte hatten eigene Mauern und bildeten zwei eigenständige Kommunen, bis sie 1715 vereinigt wurden. Von der Burg auf der Dominsel bis zu diesem Turm haben wir genau das gesehen: Insel, Altstadt, Neustadt. Wir danken Ihnen für diesen Rundgang.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Neustädtischen Mühlentorturm. Der Baumeister Nikolaus Kraft aus Stettin errichtete ihn 1411, wie eine Inschrift sagt. Der achteckige Backsteinturm ist 28,85 Meter hoch. Er ist einer der vier erhaltenen Tortürme der beiden Städte. Hier endet unser Rundgang.

Für Kinder

Dieser Turm hat acht Seiten. Er ist 28,85 Meter hoch und aus Backstein gebaut. An der Außenwand steht eine Inschrift in lateinischer Sprache. Sie sagt: Im Jahr 1411 hat Meister Nikolaus Kraft aus Stettin diesen Turm gebaut. Die Tür liegt vier bis fünf Meter über dem Boden. Innen führen nur Leitern und enge Löcher in der Decke nach oben. Im ersten Stock haben sich die Jungen Pioniere und die FDJ aus der DDR mit ihren Zeichen verewigt. Warum, glaubst du, liegt die Tür des Turms so hoch? Hier endet der Rundgang.

Quellen

Koordinaten: 52.4109, 12.5649 · auf der Karte

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