Stadtohr

Stadtrundgang Bonn · Station 8 von 16

St. Remigius

1274/1275 · franziskaner, gotik, bettelorden, beethoven

Ausführlich

Sie stehen vor St. Remigius, nahe dem Marktplatz in der Brüdergasse. Schauen Sie auf die Westfassade: ein hohes schmales Fenster in einer riesigen Nische, darüber im Giebel eine Fensterrose, die erst 1889 eingefügt wurde. Über dem Portal sehen Sie eine steinerne Gruppe des heiligen Antonius. Und achten Sie auf das, was fehlt: ein Kirchturm. Nur ein Dachreiter sitzt auf dem First. Das gehört zur Tradition der Franziskaner, die Kirche ist im Stil einer Bettelordenskirche errichtet, aus Tuffstein der näheren Umgebung. Und sie hieß lange anders. Der Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg hatte die Franziskaner nach Bonn gerufen. 1274 und 1275 begannen sie den Neubau, zusammen mit einem Kloster, in dem es Kapitelhaus, Werkstätten, Bäckerei, Brau- und Schlachthaus gab, alles an einem Kreuzgang. Um 1317 war ein erster Abschnitt fertig, 1318 wurde die Kirche wahrscheinlich dem heiligen Ludwig von Toulouse unterstellt. Zur Jahreszahl gibt es mehrere Angaben: Baubeginn 1274 oder 1275, ein erster Abschnitt um 1317, und Wikidata nennt 1276. Vollendet war das Gotteshaus erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts. 1689 beschädigte bei der Belagerung der Beschuss brandenburgischer Truppen die Kirche stark. Das Dach samt Dachreiter brannte nieder, die Inneneinrichtung wurde bis auf einen geschnitzten Marienleuchter und eine Halbfigur der Muttergottes vernichtet. 1803 wurde das Kloster aufgehoben. 1806 übernahm die Pfarrei St. Remigius die Kirche, weil ihr eigenes Gotteshaus 1800 vom Blitz zerstört und abgetragen worden war. Mit dem Umzug kam auch der Name. Und ein Stück Beethoven: Der marmorne Taufbrunnen, an dem er am 17. Dezember 1770 getauft worden war, kam in diese Kirche. 1888 zerstörte ein Brand das Dach, von 1889 bis 1891 wurde die Kirche neugotisch erneuert. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs brannte das Dach des nördlichen Seitenschiffs aus, ein Gewölbe stürzte ein, fast alle Fenster zersprangen. Fünf Jahre dauerte es, bis die Kirche wieder benutzbar war. Von 1957 bis 2007 war sie wieder Klosterkirche der Franziskaner-Minoriten. Heute dient sie der Münsterpfarrei als Filialkirche und wird von der Katholischen Hochschulgemeinde genutzt. Ihre Lage im Zentrum macht sie zu einer Bürgerkirche.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Remigius in der Brüdergasse, einer gotischen Pfeilerbasilika aus Tuffstein. Die Franziskaner begannen den Bau 1274 oder 1275. Einen Kirchturm hat sie nicht, nur einen Dachreiter. So baute man die Kirchen der Bettelorden. Heute ist sie eine Bürgerkirche im Zentrum.

Für Kinder

Du stehst vor einer Kirche ohne Turm. Schau aufs Dach: Dort sitzt nur ein kleines Türmchen. Die Franziskaner haben die Kirche im 13. Jahrhundert begonnen, und Kirchen ihrer Art, der Bettelorden, haben keinen großen Turm. Erst 1806 bekam sie den Namen Remigius, weil die Gemeinde von St. Remigius einzog. Deren Kirche hatte der Blitz zerstört. Damals kam auch das Taufbecken hierher, an dem Ludwig van Beethoven getauft worden war. Gleich besuchen wir sein Geburtshaus. Findest du das Türmchen auf dem Dach?

Quellen

Koordinaten: 50.736047, 7.103126 · auf der Karte

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