Sie stehen vor dem Bamberger Reiter, im Dom, wo dieser Rundgang begonnen hat. Es ist ein steinernes Reiterstandbild aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, eines der plastischen Hauptwerke der späten Stauferzeit. Wikidata nennt das Jahr 1225, der Wikipedia-Quelle die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ich nenne Ihnen beide Angaben. Die Skulptur ist aus mehreren Schilfsandsteinblöcken gehauen, ihr Schöpfer ist unbekannt. Aufgestellt wurde sie vermutlich vor der Weihe des Dom-Neubaus 1237, am Nordpfeiler des Georgenchors. Forschungen von 2004 ergaben, dass sie ihren Standort seit der ursprünglichen Aufstellung behielt. Damit gehört die räumliche Beziehung zum Doppelgrab Heinrichs II. und Kunigundes und zum Fürstenportal zur ursprünglichen Anlage. Der steinerne König ist durch dieses Portal hereingeritten und hält, dem früheren Grab des Kaiserpaars huldigend zugewandt, inne. Schauen Sie auf seine Hände, denn dort liegt die ganze Aussage. Die linke hält den Zügel. Die rechte, die Waffenhand, ist entspannt am Band seines Tasselmantels eingehängt. Dieser Griff zeigt an, dass der Reiter es nicht nötig hat, seine Hand für eine Waffe oder ein Herrschaftszeichen zu gebrauchen. In der höfischen Gebärdensprache ist das ein Zeichen hohen Standes. Er war außerdem nicht grau. Ursprünglich war die Figur kräftig gefasst: das Pferd weiß mit braunen Flecken, Kleid und Umhang rot mit silbernen und goldenen Sternen, Krone, Sporen und Gürtel vergoldet. Und das Pferd ist beschlagen, eine der ersten Darstellungen von Hufeisen überhaupt. Nun die Frage, die seit Jahrhunderten offen ist: Wer ist das? Weil er gekrönt ist, geht man von einem König aus. Genannt wurden unter anderem König Stephan I. von Ungarn, König Philipp von Schwaben, die Staufer-Dynastie als Ganzes, eine apokalyptische Figur und einer der Heiligen Drei Könige. Für Stephan I. spricht der Baldachin, denn er deutet auf einen Heiligen; Stephan war mit Heinrich II. verschwägert und wurde 1083 heiliggesprochen. Der Reiter wäre dann ein Dank für das Asyl, das Bischof Ekbert von Andechs-Meranien in Ungarn fand, nachdem er in den Königsmord von 1208 verwickelt schien. Für Philipp von Schwaben spricht der Ort. Philipp wurde 1208 unbewaffnet ermordet, in der Alten Hofhaltung, an der wir vorhin standen. Zunächst bestattete man ihn im damals noch im Umbau befindlichen Dom, unweit jenes Chorpfeilers, an dem später der Reiter angebracht wurde. 1213 ließ sein Neffe Friedrich II. ihn nach Speyer umbetten. Seitdem gäbe es hier kein Gedenken mehr an den ersten Mord an einem römisch-deutschen König, wenn nicht durch diesen waffenlosen Reiter. Wer also hier sitzt, bleibt offen. Ein passender Schluss für einen Rundgang durch eine Stadt, deren berühmtestes Gesicht niemand mit Sicherheit benennen kann.
Sie stehen vor dem Bamberger Reiter im Dom. Das steinerne Reiterstandbild stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts; Wikidata nennt 1225. Es gehört zu den Hauptwerken der späten Stauferzeit. Wen es darstellt, ist bis heute offen.
Jetzt bist du wieder im Dom, wo wir angefangen haben. Hier sitzt ein Reiter aus Stein, hoch an einem Pfeiler. Er hat eine Krone auf dem Kopf, also ist er ein König. Nur weiß niemand, welcher. Forscher streiten darüber seit über hundert Jahren. Früher war die Figur bunt angemalt: das Pferd weiß mit braunen Flecken, der Mantel rot mit goldenen Sternen, die Krone vergoldet. Schau auf seine rechte Hand. Sie hält keine Waffe, sondern nur das Band seines Mantels. Das heißt: Dieser König muss sich nicht beweisen.
Koordinaten: 49.890869, 10.882765 · auf der Karte