Sie stehen an der Stephanienstraße 5. Hier stand die Synagoge von Baden-Baden. Sie wurde 1899 errichtet und in den Novemberpogromen 1938 zerstört. Das ist die letzte Station dieses Rundgangs. Beginnen wir mit der Gemeinde. Erst nach 1862 konnten sich Juden in der Stadt als gleichberechtigte Bürger niederlassen. Es folgte eine starke Zuwanderung, und am 2. November 1890 wurde die jüdische Gemeinde Baden-Baden gegründet. Der Betsaal im Hotel Baldreit erwies sich bald als zu klein. Man beschloss den Bau einer Synagoge. Die Pläne entwarf der jüdische Architekt Ludwig Levy, der bereits zahlreiche Synagogen gebaut hatte, unter anderem in Pforzheim, Barmen und Kaiserslautern. Die Synagoge im neoromanischen Stil hatte ein Rundbogenportal und auf der Südseite eine große Rosette. Der Grundriss war kreuzförmig, mit Querhaus und zwei Treppentürmen, die zu den Frauenemporen führten und mit spitzen Turmhelmen gedeckt waren. Daneben stand das jüdische Gemeindehaus. Bei der Einweihung am 16. August 1899 hielt der Bezirksrabbiner Baruch Mayer aus Bühl die Festpredigt. Der Gottesdienst wurde nach orthodoxem Ritus gefeiert. Mit Rücksicht auf strenggläubige Kurgäste verzichtete man auf Orgelmusik und Frauengesang. Dann der 10. November 1938. Die Gestapo raubte die Kultgegenstände aus Edelmetall. Etwa 80 jüdische Männer waren am selben Tag verhaftet worden. Sie mussten sich in der Synagoge Schmähreden von SS-Führern anhören. Der Lehrer der Gemeinde, Arthur Flehinger, wurde gezwungen, aus Hitlers Buch Mein Kampf vorzulesen. Die misshandelten Männer wurden ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. SS-Leute legten in der Synagoge Feuer, sie brannte völlig aus. In den Wochen danach wurde sie abgebrochen, und die jüdische Gemeinde musste die Kosten des Abbruchs bezahlen. Das Grundstück blieb nach 1945 unbebaut und wurde als Parkplatz genutzt. Was heute dort ist, nennt eine Quelle nicht. Am Rand des Platzes wurde ein Stein mit einer Gedenktafel aufgestellt. 1988 ließ die Stadtverwaltung einige hundert Meter entfernt, am Willy-Brandt-Platz in der Sophienstraße, eine rund zwei Meter hohe Gedenksäule aus Sandstein und Beton errichten. Im August 2025 wurde sie bei einer mutmaßlich antisemitischen Straftat umgestürzt. Nach Polizeiangaben war sie nicht allein mit Körperkraft umzureißen, möglicherweise sei eine Kette oder etwas Ähnliches zusammen mit einem Kraftfahrzeug verwendet worden. Hier endet unser Rundgang. Er begann bei einem Museum von 2009 und führte zurück zu den Römern, die um 75 n. Chr. die heißen Quellen fassten, zu Markgrafen und Mönchen, zu Bädern, einer Spielbank und einer Allee. Zu dieser Stadt gehört auch dieser Ort: Die jüdische Gemeinde bestand seit 1890, ihre Synagoge stand von 1899 bis 1938.
Sie stehen an der Stephanienstraße 5, wo die Synagoge von Baden-Baden stand. Sie wurde am 16. August 1899 eingeweiht. Beim Novemberpogrom am 10. November 1938 setzten SS-Leute sie in Brand, in den Wochen danach wurde sie abgebrochen. Ein Gedenkstein erinnert an sie.
Du stehst an einem Platz, an dem früher eine Synagoge stand. Eine Synagoge ist das Gebetshaus einer jüdischen Gemeinde. Die Gemeinde in Baden-Baden baute sie, 1899 wurde sie eingeweiht. Am 10. November 1938 legten Männer der SS Feuer, die Synagoge brannte völlig aus und wurde danach abgebrochen. Etwa 80 jüdische Männer wurden an diesem Tag verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht. Das war ein schweres Unrecht. Heute erinnern ein Stein mit einer Gedenktafel und eine Gedenksäule daran. Warum, glaubst du, erinnern wir uns an solche Orte?
Koordinaten: 48.7612, 8.24307 · auf der Karte